Aus der Chronik der Hilfsschule
Nach mündlichen Überlieferungen wurde um 1900 in der Neustädter Bürgerschule eine Hilfsschule Klasse eingerichtet und verwaltungsmäßig mit der Hauptschule verbunden.
Ihr erster Lehrer hieß Körbs. Er unterrichtete schwach begabte Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Mädchen etwa 10 bis 12-hatten
von 1908 an
wöchentlich drei Stunden Nadelarbeit und Lernmitteln bei Fräulein Schreck, der späteren Frau Hempel, Stricken, Häkeln und Nähen.Lehrer Körbs ging später an die berufsschule über.
Ein Jahr lang unterwies Lehrer Arnold mehr als 15 der Schüler.
Im Jahre 1920
vertrat Lehrer Nürnberger einen Kollegen der in der Prüfung stand, und unterrichtete sechs Wochen angabwechselnd einen Tag in der Volksschule in Pillingsdorf und einen Tag in der Hilfsschulklasse.
1922
kam Lehrer Nilius an die Neustädter Volksschule und wurde in der Hilfsschuleklasse eingesetzt. Er führte Sie drei Monate lang. Dann musste er die Vertretung für einen erkrankten Normalschullehrer übernehmen und die wenigen Kinder seiner Klasse wurden auf die Volksschulklassen verteilt.
Wohl 1923
wurde der Lehrer Poser die Leitung der Hilsschulklasse übergeben. Während seiner Amtszeit, die etwa die Jahre von 1923 bis 1934 umfasste, wurde die Hilfsschulklasse von der Bürgerschule abgetrennt und Lehrer Poser mit der Leitung der nun selbständigen Schule beauftragt.
Ihm folgt im Amte Lehrer Koch.
Schließlich übernahm Doktor Scheube die Leitung. Er wurde vermutlich
1937
als Heerespsychologe eingesetzt.
Nun übergab die damalige Regierung die Leitung der einklassigen Hilfsschulemit 18 Kindern dem Volksschullehrer Krahmer, der gleichzeitig zum Hilfsschulelehrer ernannt wude. Die Schule erhielt den Namen Pestalozzischule und bekam eine kleine Lehrerbücherei und einen Lichtbildapparat, mit dem Lichtbildreihen in den meisten Unterrichtsfächern ausgewertet wurden.
Im Herbst 1939
wurde der Schulleiter zum Wehrdienst einberufen und seine Schüler wurden den Volksschulklassen zugewiesen.
Am 3.November1945
wurde von dem zuständigen Schulrat eine Lehrkraft aus Schlesien mit der Einrichtung und Führung einer Hilfsschulklasse beauftragt. Sie hatte mehrere Jahre an der größten Breslauer Hilfsschule, die sechs aufsteigende Klassen und zwei Parallelklassen zählte, gewirkt und war am 8. Februar 1945 als Flüchtling nach Thüringen gekommen. Am5. November wurden ihrer 17 Kinder (14 Knaben und 13 Mädchen ) aus den unteren drei Normalschulklassen zugeführt. Es handelte sich, wie eine kleine Überprüfung ergab, durchweg um schwachbegabte 7 bis13 jährige Kinder mit abartigen Charakter, die in ihren Klassen durch ihre Disziplinlosigkeit einen geregelten Unterricht unmöglich machten.
Daher musste sich die Normalschule von ihnen befreien. Doch war die Unterweisung und Erziehung dieser Kinder mit großen Schwierigkeiten verbunden. Anfangs wurden die Kinder gemeinsam unterrichtet.
Wegen der Schulraumnot - das größte Schulgebäude war als Lazarett durch Bombenwurf zerstört und das Haus, in dem sich jetzt die Geoetheschule befindet, für Unterrichtszwecke noch nicht freigegeben worden- wurden die Hilfsschüler im November in 20 und vom 13. Dezember ab nur in 12 Wochenstunden unterwiesen. Die schlecht genährten und dürftig bekleideten, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Kinder wurden sehr stiefmütterlich behandelt, bald in dieses, bald in jenes Unterrichtszimmer gesteckt. Manchmal mussten sie am Tage dreimal den Raum wechseln. Die Stunden lagen immer in der Zeit von 13 bis 18 Uhr, obwohl gerade diese Tageszeit für den Hilfsschuleunterricht am ungeeignetsten ist. Die Beleuchtung des Klassenzimmers war spährlich. Nur eine einzige Lampe war mit einer 25 Wattbirne versehen. Die Beheizung war völlig unzureichend. Oft musste bei 9° unterrichtet werden. Mehrfach wurden nur 2° Wärme gemessen. So saßen die Kinder in Mänteln und Handschuhen. Große Aufnahmebereitschaft und aktive Mitarbeit war bei solchen Verhältnissen nicht zu erwarten. Alle Vorstellungen über diese traurigen Zustände bei der übergeordneten Stelle
waren zwecklos. Die Missstände waren eben eine in Folge des deutschen Zusammenbruchs. Mitte Januar1946 griff das Volksbildungsamt Gera ein. Es forderte für die Hilfsschüler einen festen, ausreichend beheizten Unterrichtsraum und setzte
bei Volksschullehrergehalt die Pflichtstundenzahl der Lehrer auf 32 Stunden fest, obgleich in den Normalschulen 32 bzw. 30 Stunden gegeben wurden. Diese 32 Stunden wurden auch noch erteilt, als die Pflichtstundenzahl der Volksschullehrer schon längst auf 30 bzw. 28 Stunden herabgesetzt worden war.
Erst am 10. November 1946 wurde
die Pflichtstundenzahl auf 25 ermäßigt. Auf Anordnung des Schulamtes wurden die Kinder vom 21. Januar 1946 ab in zwei Gruppen von 13 bis 14 Schülern unterrichtet.
Doch wiesen die Kinder in ihren Leistungen sehr erheblliche Unterschiede auf. Eine Dreiteilung jeder Gruppe wäre zweckmäßig gewesen, war aber technisch nicht durchführbar. Der Unterrichtsbetrieb war äußerst aufreibend. Die Kohlennot zwang an 10 Februartagen zu starker Stundenkürzung, Die Kinder kamen daher zu keiner rechten Sammlung. Anschauungsmittel waren nicht vorhanden. Sie waren in den Nachkriegswirren zerstört worden oder abhanden gekommen. Spezielbücher, wie sie früher in Hilfsschulen üblich waren, gab es nicht, Die Normalschulbücher, die die Kinder mitbrachten, waren meistens inhaltlich zu schwer. Fibeln wurden dringend benötigt, waren jedoch nur für Schulanfänger zu erreichen. So mußte die Wandtafel für die Fibel mangelhaften Ersatz leisten.
Hefte waren anfangs überhaupt nicht zu besorgen. Später wurden sie vorzugsweise an Kinder der Grundschule abgegeben. Die Hilfsschüler sollten und wollten jedoch auch lernen. So schrieben sie auf Zettel, Tüten und schließlich auf naturmäßig schlechte, oft ererbte Tafeln. Kreide war ein kostbarer Artikel, wurde nur brockenweise zugeteilt und stetes in der Aktentasche herumgetragen, da die Klassenschränke verschlossen waren oder fehlten. Häufig ergänzten die Kinder den Kreidevorrat durch Kalkstücke aus Ruinen. Wie in der Normalschule war auch in der Hilfsschulklasse der Schulbesuch unbefriedigend. Vier Knaben und neun Mädchen kamen, wie aus den Schulakten ersichtlich ist, regelmäßig in die Schule, auch bei häßlichem Wetter, oft mit völlig zerrissenen Schuhen. Die anderen Kinder nutzten im Einverständnis mit ihren Eltern die schlechte Ernährungs- und Bekleidungslage aus und blieben unter fadenscheinigen Gründen der Schule fern, um Nahrungsmittel und Holz für die Familie zu besorgen.Schriftliche Ermahnungen und Rücksprachen mit den Eltern nutzten bloß kurze Zeit, Hausbesuche fruchteten nur manchmal. Polizeiliche Zuführungen halfen bei einigen Knaben, wurden jedoch später als nicht zeitgemäß verboten. Vorsprachen auf dem Amt für Jugendhilfe hatten keinen Erfolg. Die Lehrkraft wurde auf einen langen Atemweg verwiesen.
Vom 5. April 1946 bis 22. Mai
mußte vertretungsweise die Leitung der Molbitzer Schule mit vier aufsteigenden Klassen (1. bis 8. Schuljahr) übernehmen. Während dieser Zeit blieb die Hilfsschulklasse geschlossen.
Die aufgestockte Oberschule, ab 1950 Schillerschule, nach der Wende Realschule, Ergänzung für 5. Klassen zum Gymnasium, Grundschule
Am 24. Mai 1946 wurde die Hilfsschulklasse wieder eröffnet, und nun begann von neuem mühsamer Arbeit, die Kinder in das Schulleben ein zu gewöhnen. Sehr nachteilig wirkte sich jetzt die Unselbstständigkeit der Klasse aus. Sie war seit Januar 1946 an die zwölf Jahresschule angeschlossen und unterstand ihrer Schulleitung. Der häufige Stundenplan Wechsel, unter dem die Grundschule litt, zog auch die Hilfsschulklasse arg in Mitleidenschaft. Unter welchen äußeren Bedingungen der volle Unterricht nach den Herbstferien 1946 erteilt werden musste, erhält wohl am besten folgende Eintragung in die Klassenchronik: die Zimmer Wärme betrug im ungeheizten Klassenraum am 21.10.1946 14 °C,
am 22. Oktober 13 °C,
am 23.10.Oktober10 °C,
am 24. Oktober 8,5 °C
und am 25. Oktober 13°
und im geheizten Raum am 26. Oktober 8,5 °C und am
28. Oktober 10,5 °C
Die Kinder hatten Ferien
Vom 11. November ab wurden die Kinder in drei Gruppen – unter – Mittel – und Oberstufe – in acht beziehungsweise 9 Stunden (Oberstufe) unterwiesen. Wegen des mangels an Brennstoffen durften sämtliche Schulkindern vom C Quatsch vom 20.1.1947 bis 19.2.1947 im kalten Klassenzimmer nur Hausaufgaben gegeben werden. Bereits am 4. Februar 1947 wurde die Lehrkraft wegen des katastrophalen Lehrermangelswieder im Grundschuldienst eingesetzt. Sie musste das Ordinariat eines 42 Kinder starken gemischten zweiten Schuljahres und Mitte Februar 47 auch noch die Leitung einer dritten Knaben Classe von 46 Kindern übernehmen und beide Klassen in den Kernfächer Deutsch und rechnen unterrichten. Jede Grundschulklasse bekam nur 10 Stunden Unterricht – 6 Stunden Deutsch und 4 Stunden rechnen. Für die Hilfsschulklasse wurden möglich wöchentlich 6 Stunden angesetzt, die meistens in der in der Aula der Oberschule, wo die Kinder kaum schreiben konnten, erteilt werden mussten und deren Anfangszeiten verschieden waren täglich erhielten alle drei Gruppen bis 36 Kinder – gemeinsam eine einzige Stunde Unterricht, 36 Kinder: das sind acht Kinder mehr, als ich im Herbst 56 in der ganzen Hilfsschule befanden. Die Lehrkraft arbeitete zwar pausenlos. Doch reichte die eine Kurz Stunde kaum aus, um die Versäumnisse einzutragen, die Hausaufgaben durchzusehen, neue zu geben, die damals umfangreichen Statistiken aufzustellen und sonstige Verwaltung Messick Schreiberei zu erledigen. Daher wurde nach vier Wochen im Einverständnis mit der Schulleitung eine Drei Teilung der Hilfsschulklasse mit je drei Unterrichtsstunden (2 Stunden Deutsch und 1 Stunde rechnen) vorgenommen. Die Lehrkraft musste also damals zwei Grund – und zwei Hilst Kundenklassen allein führen dieser Zustand Werte in ein halbes Jahr. Dann galt es, für 42 + 46 + 36 gleich 124 Kinder Versetzung Zeugnisse und Schüler auszuarbeiten. Hilfe konnte wegen des mangels an Lehrkräften von keinerlei Seite geleistet werden. Von den 36 Hilfsschülern waren 20 Knaben und 16 Mädchen. Ihre altersmäßig a Zusammensetzung ergab nach den Sommerferien 1947 folgendes Bild:
Geschlecht 8 9 10 11 12 13 14 15 Jahre
____________________________________________________________________-
Knaben 1 4 6 3 4 1 1 –
Mädchen 2 – 3 2 4 2 3 –
Zeitweise umfasste die Klasse 37 Kinder. Eins von Ihnen – ein Knabe – wurde wieder in die Normal Schule zurückgeführt er hatte sich in seinen Leistungen gebessert ein weiteres verbleiben an der Hilfsschulklasse
War uns zweckmäßig. Er wurde für die dritte Klasse vorgeschlagen, aber von dem Leiter der selben zur Aufnahme an die vierte Klasse verwiesen. Er verließ später die Grundschule aus der fünften Klasse mit ausreichenden Leistungen.
Das laufende Schuljahr gestaltete sich für die Arbeit in der Hilfsschulklasse etwas besser. Die wöchentlichen Pflichtstunden der Hilfsschule die der Hilfsschüler wurden auf zehn erhöht. Ihre Lehrkraft bekam nämlich ein Jahr lang nur eine Grundschulklasse und zwar ein 6. Schuljahr mit 52 Mädchen und 15 Unterrichtsstunden in den Hauptfächern. Die Unterweisung der Hilfsschüler erfolgt jetzt in drei Gruppen zu je 3 Stunden.
Nur die Oberstufe bekam eine Zusatzstunde meistens wurden unbezahlte Überstunden geleistet um die Kinder weiter zu ringen. Erwähnt wurde diese Mehrarbeit nicht. Sie wurde damals für selbstverständlich gehalten.
Dass ich die Lehrkraft beim freiwilligen dienstlichen Einsatz Erfrierungen an den Füßen zuzog und sich einer langwierigen ärztlichen Behandlung unterziehen musste, sei auch nur am Rande vermerkt.
Vom 19. Februar 1948 ab empfehlen auf die Hilfsschüler 15 Stunden, von denen am 22. April 1948 wieder zwei weggenommen worden sind. Bisher waren die Eltern der Kinder nicht weiter in Ercheidung getreten. Wohl stand die Lehrkraft mit vielen von Ihnen durch Hausbesuche und sonstige Rücksprachen in Verbindung, und manche Erziehungsberechtigten zeigten auch Interesse für die Arbeit der Schule. Dort hatten sie so sehr mit wirtschaftlichen Sorgen zu tun und konnten sich um die schulischen Belange ihrer Kinder nicht kümmern. Erst als die Normal schüler mehr Unterricht bekamen, forderten die Eltern auch für die Kinder der Hilfsschule Stunden Erhöhung und einen eigenen Lehrer
Dieser Wunsch wurde
zu Beginn des Schuljahres 1948 / 49 erfüllt.
Die Sonderschulklasse erhielt die bisherige Lehrkraft für sich allein. Auf Direktoranweisung wurden die Kinder vom 20.1.1949 ab in fünf Kleinstgruppen und einer Sondergruppe, in der sich die disziplinlosen Kinder befanden, unterrichtet.
Jede Gruppe erhielt nach einem Klassenbuch Eintrag wöchentlich 5 Stunden.
Die Sondergruppe wurde mit der sehr schwachen Anfängerklasse zusammengelegt.
Fortschritte waren überall erkennbar.
Besonders günstig wirkte sich die Einrichtung der Sonderabteilung aus.
Am 1. März 1949 wurden die Kleinstgruppen auf drei reduziert.
Vom vierten bis 14. April musste die Lehrkraft zwölf Vertretungsstunden in der KM4 übernehmen, wieder zum Nachteil der Hilfsschüler
Diese wurden in der Sondergruppe,
Unter - und Mittelstufe
in je 3
und in der Oberstufe
in 4 Wochenstunden beschult.
Nach Ostern lief der Unterricht wieder ungekürzt weiter. In den letzten drei Schuljahreswochen wurden
die Sondergruppe
und die Unterstufe
in 10
und die Mittel –
und Oberstufe
in 15 Stunden
Versuchsweise zusammengefasst und Unterrichts Messick getrennt unterwiesen.
Damit wurde der Abteilung Unterricht vorbereitet.
Im Schuljahr 1949/50
wurde die Lehrkraft zum mehrtägigen Hilfsschullehrertagungen nach Erfurt, Jena und anderen Orten einberufen und erhielt wichtige Impulse für ihre Arbeit. Regelmäßig nahm sie freiwillig mehrere Jahre an Arbeitsgemeinschaften Geraer Hilfslehrer teil, um sich beruflich zu qualifizieren.
Ende des Schuljahres wurde eine amtsärztliche Untersuchung, der die Hilfsschulklasse besuchen Kinder angeordnet. Darüber gerieten die Eltern dieser Schüler in große Aufregung. Auf Anweisung der Schulleitung wurden die Kinder mit ihren Erziehungsberechtigten am 6. Juli 1950 in zwei Gruppen bestellt. Der Arzt mit seinen Helfern traf mit etwa zweistündiger Verspätung ein. Nun ging dies Wogen der Entrüstung bei den Elternturm hoch. Diese mutmaßten – ein Vater hatte das Gerücht aufgebracht, und die anderen Versammelten glaubten es – dass ihnen die Kinder genommen würden, um sie in Heimerziehung zu überweisen. Ein empört der Vater – 50 % Nerven geschädigter- verursachte eine Wüste Szene im Untersuchungszimmer. Nur mit Mühe war er zu beruhigen.
Der Arzt lernte die über aus schwierigen Kinder, die sich damals in der Hilfsschuleklasse befanden, kennen und äußerte: „ Für eine Lehrkraft mit dieser Dienst ja viel zu schwer. Ich möchte diesen schweren Dienst nicht leisten. Der wäre mir viel zu an strengend. Zur Mutter einer Schülerin meinte er: „Sie wisse anscheinend gar nicht, was für einen harten Dienst diese Lehrkraft leisten muss“. Zum Vergleich wird die Schulsituation vom Oktober 1955 herangezogen.
1950 war eine Lehrer Person allein zu drei Hilfsschuhlgruppen mit 32 Kindern (21 Knaben und 11 Mädchen.)
1955 arbeiteten an 3 Klassen mit 43 Kindern drei volle Lehrkräfte und außer ihnen noch ein Schulleiter mit 7 und eine Handarbeitlehrerin mit 4 Unterrichtsstunden.
In den Sommerferien wurden die pädagogischen und ärztlichen Urteile über die Hilfsschüler in einer Kommission, die im Volksbildungsamt in Gera tagte, erörtert.
Zu der Kommission gehörte aus Gera der Schulrat oder sein Vertreter, der Leiter und eine Hilfsschullehrerin der Pestalozzi schule, der Amtsarzt, ein Jugendarzt und eine Fürsorgegerin und aus Neustadt der Leiter der Zwölfjahresschule oder sein Vertreter, ein Grundschullehrer ein Vertreter des Antifa – Blocks und die Leitung der Hilfsschulklasse. Eingehend wurde in einer dreistündigen Konferenz über den weiteren Verbleib der bisherigen Hilfsschüler und über Neuaufnahmen beraten, und die Ergebnisse wurden vom amtierenden Schulrat schriftlich festgehalten.
Zum ersten Male würdigte die Leiterin des Volksbildungsamtes die Arbeit der Lehrkraft mit den Worten: „ Unsere Kollegin macht sich im Dienst kaputt. Wir können sie nicht länger allein arbeiten lassen“. Doch fand sich niemand, der bei Volksschulelehrergehalt die Tätigkeit in der Hilfsschulklasse ausüben wollte. Im August löste sich die Grundschule, also Neubauer Schule von der Oberschule und bekam eine selbstständige Leitung. Ihr wurde die Hilfsschulklasse angeschlossen. Nun wurden den Hilfsschülern die erste Normalschulfibel zum Kauf angeboten. So konnte wenigstens der Anfangsunterricht
Im Schuljahr 1950 51
auf einem Lehrbuch Fußen. Allerdings erwiesen es sich als zu schwer und ungeeignet. Die Kinder aus Mittel – und Oberstufe mussten wie bisher mit den Büchern arbeiten, die sie aus der Normalschule mitbrachten. Um sie rasch zu fördern, wurden sie im Deutsch und Rechen innerhalb ihrer Gruppe in Abteilungen unterrichtet, was für die Lehrkraft recht nervenzerrüttend war.
Im Herbst 1950 konnte die Hilfsschulklasse auf ein fünfjähriges Bestehen zurückblicken. Sie hatte alle trüben und heiteren Tag seit Eröffnung der Schulen im Oktober/November 1945 miterlebt. Ihre Kinder hatten sämtliche Klassenräume der Schiller, Lessing und Goetheschule im Unterrichtsbetrieb kennen gelernt. Die Zusammenarbeit mit der Leitung der Oberschule, die jetzt den Namen „ Schillerschule „ trug, war stets sehr gut. Allerdings konnten nicht alle Wünsche der Hilfsschüler und ihrer Eltern erfüllt werden. Der Grund dafür in den unglücklichen Zeitverhältnissen zu suchen.
Die waren auch an dem äußerst ungünstigen Unterrichtsraum schuld, indem jetzt die Hilfsschulklasse untergebracht wurde und indem die Kinder täglich von 12:40 Uhr bis 16:45 Uhr oder 17:35 Uhr unterwiesen wurden. Das Zimmer war kalt, unfreundlich und voller Störungen, was auch bei einer Überprüfung durch den Leiter der Pestalozzi Schule festgestellt wurde. Lust betontes Arbeiten ist aber gerade mit Hilfsschülern nur in freundlichen, hellen, warmen Räumen mit frohen und Farbanstrich möglich. Ein kränkendes Pflänzchen setzen wir auch nicht in den Keller, sondern an ein Lichtenplatz, damit es wachsen, blühen und gedeihen kann.
Einmal wurde der Lehrkraft sogar zugemutet, ihren Dienst in den an den Kindern im Keller zu leisten. Da musste sie an die erschütterte Frage eines Knaben denken, der, als einmal die Hilfsschuleklasse bei einer Süßwarenverteilung übergangen worden war, meinte “ sind wir nicht auch Kinder"? Wohl namen auch jetzt die Kinder, wie in den vergangenen Jahren, an Schulfeiern, Kinderfesten und Umzügen teil. Doch fühlten die sich immer noch zurückgesetzt. Sie wurden oft von ihren früheren Mitschülern gehänselt, und das verbitterte sie.
Auch die meisten Kollegen sahen nur verächtlich auf die Kinder und übernahmen keine Vertretung, wenn die Lehrkraft zu einer Tagung fahren musste. An Krankmeldungen durfte sie gar nicht denken: sie musste stets einsatzfähig sein.
Wie falsch ihre Arbeit in Kollegen kreisen eingeschätzt wurde, geht am besten daraus hervor dass sie, obgleich sie durch ihren überaus aufreibenden Dienst und umfangreiche Überprüfungen von Neuaufnahmen stark überlastet war, noch zu Nachkorrekturen an Prüfungsarbeiten der Grundschüler herangezogen werden sollte.
Diese Einstellung zur Hilfsschularbeit änderte sich erst, als durch die neue Besoldungsordnung höhere Bezahlung und bessere Aufstiegsmöglichkeit winken.
Jetzt entdeckten plötzlich viel Lehrkräfte ihr Herz für die Hilfsschüler, auch solche, die sich einst beim Wort „ Hilfsschule „ geschüttelt hatten. Sie wechselten die Schulart und erkannten, dass sie erst hier ihre pädagogischen Fähigkeiten voll entfalten konnten.
Das Verhältnis zwischen der Leitung der Hilfsschulklassen und der Schulleitung der Grundschule war recht harmonisch. Wenn den Hilfsschülern so wenig geholfen werden konnte, lag es daran, dass erst das Niveau der Normalschule gehoben werden musste.
Die Demokratisierung und Weiterentwicklung der Hilfsschule blieb einer späteren Zeit vorbehalten. Auf Anregung von Gera wurde im Frühjahr die Klassenbücher der Grundschulklassen in Neustadt, Molbitz, Moderwitz und Kospoda im Einvernehmen mit den jeweiligen Schulleitungen auf überalterte Schüler überprüft und die Lehrer auf eventuelle Hilfsschultypen aufmerksam gemacht. Wie im Vorjahr wurden auch jetzt bis Mitte April von der Normalschule ausführliche Gutachten der für die Hilfsschule zur Aufnahme gemeldeten Kinder angefertigt und von der Hilfsschullehrkraft bearbeitet.
Danach erfolgte die Aufnahmeprüfung für die Hilfsschule. Sie umfasste eine mündliche und eine schriftliche Prüfung und wurde ohne Testen durchgeführt. Einige Wochen später stellte die Fürsorgegerin die Vorgeschichte der Prüflinge fest. Dann erfolgte die amtsärztliche Untersuchung. Alle schriftlichen Unterlagen wurden wie 1950 in Gera vor dem Erziehungbeirat, der im Vergleich zum Vorjahr noch durch einen Jugendarzt erweitert worden war, ausführlich behandelt. Dann wurde die Überweisung der Kinder in die Hilfsschule vom Schulrat angeordnet. Die Erziehungsberechtigten wurden von der Maßnahme der Schulverwaltung in Kenntnis gesetzt, und der Vermerk über die Mitteilung wurde in den Akten festgehalten.
Zwei Schülerinnen, die krankheitshalber die Normal Schule nicht besuchen konnten und immer wieder für die Aufnahme in die Sonderschule gemeldet wurden, befreite das Thüringer Volksministerium aufgrund der pädagogischen Beurteilung und amts – und nervenärztlicher Zeugnisse von jeglichem Schulbesuch. In den Sommerferien nahmen einige Hilfsschüler mit oder ohne Bezahlung an der örtlichen Ferienerholung teil. Die Lehrkraft wurde von oder drei Wochen lang im ersten Durchgang eingesetzt
Im August 1951
trennte sich die Goetheschule von der Zwölfjahresschule. Sie erhielt eine eigene Leitung und musste als Anhängsel die Hilfsschulklassen, die von der Zentralschule abgelöst worden war, mit betreuen. Auch zwischen der neuen Leitung und der Hilfsschullehrer kraft herrschte stets das beste Einvernehmen.
Zu eigenen Lehrmittel konnten die Hilfsschüler allerdings auch jetzt nicht gelangen. Wohl musste die unterrichten Lehrpersonen aus einem Katalog geeignete Lehrmittel heraussuchen. Doch gefielen sie bei der Lieferung der Grundschule so gut, dass diese alle für sich behält. Die Hilfsschulklassen mussten leer ausgehen, dafür sie, wie es hieß, im Etat keine Geldmittel eingeplant worden waren.
Die Kinder konnten sich noch so große Mühe geben, um bei irgendeiner Veranstaltung einmal den ersten Platz zu belegen: sie hatten nie Erfolg. Wie eifrig hatten sie Jahre vorher Lumpen und Papier gesammelt, und wie gern hätten sie mit den anderen Klassen gewetteifert! Ihr Einsatz wurde jedoch nicht gewertet. Einmal sollte bei einer Sammlung die Klasse prämiert werden, die prozentual sich am besten betätigt hatte. Die Hilfsschüler hatten sich 100-prozentig beteiligt. Dort wurden sie nicht einmal erwähnt. Hier konnte erst dann eine Änderung eintreten, wenn die Schule auf eigenen Füßen stand.
Ihr zukünftiger Leiter – Herr Kraut – war
seit 1. September 1951
im Hilfsdienst tätig. Er hatte 1946 seine pädagogische Laufbahn begonnen, war vier Jahre Lehrer und ein Jahr Lehrer an der Neubauer Schule und machte von 1951-52 sein Praktikum als Vorbedingung für seine Immatrikulation für das Sonderschulestudium in Halle.
So war also die Hilfsschulklasse in zwei Klassen mit zwei Lehrkräften aufgespalten und zunächst im Erdgeschoss der Lessingschule untergebracht.
Über die Nacht wurden sie in die Räume der früheren Gastwirtschaft Orlatal auf der Pößnecker Straße 66 verlegt und am 24. Februar 1952 fand hier der erste Unterricht statt.
Im laufenden Schuljahr war es gelungen, Frau Geigenfeind aus Molbitz für den Nadelarbeitsuntrricht zu gewinnen, und Lehrer Schneider, der in der Normalschule den Werkunterricht erteilte, mit wenigen Stunden für die Knaben der Hilfsschulklassen zu verpflichten. Die Mädchen beziehungsweise Knaben wurden altersmäßig in zwei Gruppen zusammengefasst. Vom 3. Dezember 1951 ab erhielten die Mädchen jeder Gruppe wöchentlich 2 Stunden Nadelarbeit und vom 23. und vom 13. Februar 1952 ab aus jeder Klasse die Knaben in der Woche 2 Stunden Werkunterricht. Durch legte der Werk Lehrer die Arbeit bald nieder, da die Bezahlung nicht klappte und der Umgang mit Schülern oft recht schwierig ist. Am Schuljahresende verließen wieder etwa zehn Kinder die Hilfsschule
In den vergangenen Jahren hatten sich die Abgänger selbst eine Verdienstmöglichkeit gesucht, und manche von Ihnen verdienten, da sie praktisch oft gut veranlagt sind befriedigend. Dank der intensiven Bemühungen des Herrn Krauter nahmen 1952 einige volkseigene Betriebe zum ersten Male Hilfsschüler als Anlernlinge auf. Sie schlossen Lehrverträge mit den Jugendlichen ab und verpflichteten sich diese zu Facharbeiter heranzubilden. Nach drei Jahren legten die Anlernlinge ihre praktische Prüfung mit ausreichenden Erfolg ab.
In den Sommerferien schloss sich Lehrer Krauter mit unseren Schülern seiner Klasse einer 7. Normalschulklasse zu einer mehrtägigen Wanderung durch den Thüringer Wald an.
Durch die Anordnung über den organisiert organisatorischen Aufbau des Sonderschulewesens
Vom 5. Juli 1952
wurden die beiden Hilfsschulklassen selbstständig und hingen bis Jahresschluss nur noch durch den Haushaltsplan mit der Zentralschule I zusammen. Die führten von nun an die Bezeichnung Hilfsschule und wurden durch die neue Kreisteilung beim Pößnecker Volksbildungsamt unterstellt.
Am 1. September wurde der Schulbetrieb mit fünf Klassen (vier aufsteigenden Klassen und einer Parallelklasse) in 3 Unterrichtsräumen aufgenommen. Die Kinder (alter Bestand 34 und Neuaufnahmen 21) wurden auf die einzelnen Klassen verteilt. Lehrer Kramer übernahm die Ordinariate von 5b und und 6, Frau Sommer die Führung von 5a und die 3. Lehrkraft die Klassen 3 und 4. In 5a befanden sich die geistig fortgeschrittenen und in 5b die Disziplin schwierigen Kinder der gleichen Altersstufe.
Bereits am Abend des ersten Schultage wurde Frau Sommer zur Vertretung der Schulleitung in Molbitz verpflichtet, und am 5. September kehrte sie wieder in den Normalschuldienst zurück. Daher wurde der Unterricht für die Hilfsschüler stark gekürzt. Aus der Klasse 6 wurden jetzt die Kinder heraus gesondert, die aus der 4. beziehungsweise 5. Normalschulklasse überwiesen worden und rechnerisch leidlich veranlagt waren, und wurden in Mathematik als 6. Klasse mit schönem Erfolg durch Lehrer Kramer weitergeführt.
Dieser hatte schon 1938 39 in der Hilfsschule gearbeitet, war nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1945 aus dem Schuldienst entlassen worden und seit dieser Zeit in Fremdberufen tätig gewesen. Am 1. September 1952 wurde er wieder als Lehrer eingestellt. Wie aus den drei Hilfsschulklassenbüchern ersichtlich ist, leitete er die 14 Kinder zählende Klasse 5b und erteilte in den kombinierten Klassen 5a und 6 den Fachunterricht außer Rechnen. Die Ordinariate von Klassen 3 (10 Kinderklasse), 4 (11 Kinder) und der Verwaisten 5a (15 Kinder) übernahm die bisherige Hilfsschullehrkraft Fiebig. Sie führte außerdem noch vertretungsweise ohne Stundenentlastung ein Jahr lang die damals umfangreichen Verwaltungsgesgeschäfte. Sonst wären wöchentlich vier Unterrichtsstunden wegfallen. Im Interesse der Aufwärtsentwicklung der Schule wurde auf die Stundenermäßigung verzichtet.
Zum Schuljahresbeginn bekam die Schule noch einen Raum zugesprochen, der bisher für Plakatnalerei benutzt worden war. So umfasste sie jetzt drei Räume. Doch waren sie alle für regelrechten Unterricht ungeeignet. Raum 1 war sehr groß, hatte zwei lange Außenwände, war deshalb schwer heizbar und besaß keinen Ausgang in den Korridor. Raum 2 war recht schmal hatte nur ein Fenster grenzte an den Hausflur und war Durchgangszimmer für die Kinder des Nebenraumes. Beide Zimmer lagen an der verkehrsreichen Pößnecker Straße. Der 3. Raum an der Hofseite war düster, feucht, roch meistens modrig und im Winter rauchig und war daher im höchsten Maße gesundheitswidrig. Schulleiter - und Lehrerzimmer fehlten. Dieser Missstand machte sich besonders ungünstig bemerkbar, als später außer dem Schulleiter noch drei planmäßige Lehrkräfte gleichzeitig im Orlatal unterrichteten. Der Schulleiter konnte daher am Vormittag nur selten in der Schule sein. Den Dienststempel musste er stets bei sich führen. Die Lehrmittel und die Schulakten mussten in den Klassen aufbewahrt werden. Den Schulhof benutzten die Hausbewohner als Holzstapel und Wäschetrocknerplatz. Ihren Kindern diente er als Spielplatz.
Bei den Schulbegehungen im Jahr 1953 wurde auf diese Mängel eingehend hingewiesen. Auch der damalige Bürgermeister Büchler wurde in einer persönlichen Rücksprache gebeten, für den Unterricht geeigneter Räume zur Verfügung zu stellen. Bis zur Übernahme der Amtsgeschäfte durch Herrn Krauter konnte jedoch die Raumfrage nicht gelöst werden.
Am 8. September 1952
hatte dieser seinen Sonderschulstudium aufgenommen. Finanziell war die Hilfsschule noch nicht selbstständig. Daher halten die Großschulen mit Ausstattungsgegenständen für die einzelnen Räume. Die Neubauer Schule lieh im September ein Schüler tisch, zwei Stühle eine Wandertafel ohne und eine mit Kreidekasten, und die Lessingschule gab am 10. September zwei Tafelgestell und zwei Waschständer ab. Die Oberschule überließ der Hilfsschule im Oktober vier Bänke mit drei Sitzen, drei Bänke mit vier Sitzen und 15 Stühle und die Goetheschule am 14. Januar 1953
vier Freisitzbänke. So konnten mehrere nicht mehr reparaturfähige Bänke zur Holzverwertung an die Stadtverwaltung abgegeben werden. Bereits am 12. September musste nach der Klassenchronik mit der Heizung begonnen werden, da in den Schulzimmer nur 15 °C Anfangs Temperatur herrschte. Nach Rücksprache mit der Schulleitung der Goetheschule wurde die Sportlehrerin Wingut am 15. September auch für die Hilfsschule verpflichtet. Aus den Hilfsschülern wurde nach Geschlechtern getrennt vier Gruppen gebildet. Jede Gruppe erhielt wöchentlich eine Turnstunde. Doch war der Turnunterricht bei den Hilfsschultypen für eine junge Lehrkraft zu schwer und musste am 17. Mai 1953
eingestellt werden. Als Vorbereitung für die erste Elternbeiratswahl fanden in der 2. Oktober Hälfte 1952 in allen Klassen Elternabende und am 3. Oktober und am 13. November Wahlausschusssitzungen statt. Auf Anweisung des Volksbildungsamtes Pösneck wurden am 13. und 14. November die Wahleinladungen für die Eltern durch die Kinder geschrieben, mit einer Zeichnung verziert und am 17. November den Erziehungsberechtigten zugestellt. Am 18. November sorgt der Stadt Gärtner durch blühende Topfpflanzen für Fenster Schmuck, und die Lehrkräfte bereite eine für den Bußtag geplante Ausstellung vor. Sie wurde am 19. November von 14 bis 17:00 Uhr als Auftakt für die Elternbeiratswahl durchgeführt. Die Besucher staunten über die sauberen Diktat – und Rechenhefte, die netten Zeichnungen und die vielen schönen Handarbeiten der Kinder, die gerade in diesem Fach den Normalschülerinnen nicht nachstehen. Zur Elternbeirats waren am 21. November erschienen von 83 Wahlberechtigten ein Mann und zweiFrauen. Die Wahlbeteiligung betrug also nur etwa 3,6 %. Die Eltern hielten sich, wie die angesetzten Elternabend Ende schon gezeigt hatten, sehr zurück. Viele standen der Hilfsschularbeit feindselig gegenüber, da sie die Einweisung ihres Kindes in die Sonderschule als eine persönliche Beleidigung auffasst.
Am 1. Dezember trat der Elternbeirat zu seiner ersten Sitzung zusammen. Da er nicht vollzählig versammelt war, fiel die Wahl des Vorsitzenden weg. Die Anwesenden drei Beiräte wurden für den Bezug der Zeitschrift, Elternhaus und Schule gewonnen. Zum weiteren Male kamen die Elternbeiräte am 15. Dezember zusammen. Zu ihrem Vorsitzenden wählten sie Herrn Knöpfel aus Moderwitz und seiner Vertreterin Frau Ebert aus Neustadt. Ersterer lud für den 5. Februar 1953 den Elternbeirat zu einer Sitzung ein. Mittelpunkt der Besprechung war die Ferienaktion 1953. Am 29. Mai fand eine Elternversammlung statt. Auf der Tagesordnung standen Rechenschaftsbericht, internationaler Kindertag, Entlassungsfeier und Sommerferienaktion mit Filmvorführung. Erschienen waren der Elternbeiratsvorsitzende, der Vater eines Kindes und die Mütter zweier Kinder. Die reservierte Haltung der Eltern gegenüber der Schule hatte sich also noch nicht geändert. Schon zu Beginn des Schuljahres, wurde unter den Kindern für den Pionierverband geworben. Es gelangt bis 15. November 1952 aus Klassen 5a sechs, 5b sechs 4 sechs und 3 drei Kinder, im Ganzen 21 Kinder, für die Pionierarbeit zu gewinnen. Sie wurden der Pionierleiterin der Goetheschule unterstellt und bekam durch sie Halstücher, Ausweise und Anregungen. Wegen des ständigen Wechsels in der Pionierleitung konnte sich jedoch kein frisches abwechslungsreiches, jugendnahes Pionierleben entwickeln. Dazu war eine eigene Jugendleitung notwendig obgleich diese fehlte, lag die außerschulische Arbeit nicht brach.
So wurde am 24. November die Arbeitsgemeinschaft „Geschickte Hände“ ins Leben gerufen. Sie umfasst Knaben aus dem Klassen 6, 5a und 4.
Sie fand wöchentliche einmal statt und erstreckte sich über zwei Kurzstunden. Die Teilnahme an dem Zirkel war freiwillig. Die Leitung hat der Lehrer Kramer.
Im Herbst 1952 und im Sommerhalbjahr 53 machte er die Kinder der Mittelstufe im Vorgärten mit Gartenarbeit vertraut und leistete damit Vorarbeit für den Unterricht im Gartenbau, der schon früher in der Hilfsschule Pflichtfach war.
Im November und Dezember wurde ein Teil des der Goetheschule zur Verfügung stehenden Haushaltgeldes für die Hilfsschule abgezweigt. Dafür wurden unter anderem sechs Polsterstühle, drei Holzkästen für Brennstoffe, drei Papierkörbe, drei Waschschüsseln, ein Sandkasten und Igelit für Fenstergardinen angeschafft. 1953 meldet die Klassenchronik unter dem 5. Januar
während der Ferien wurden die Öfen in Ordnung gebracht. Die Lichtleitung in den Räumen eins und drei wurde verlegt. Zimmer eins erhielt noch eine dritte, Zimmer drei noch eine zweite Lampe. Sämtliche Fenster wurden mit Querbehängen ausgestattet eine Leiter, zwei Holzheimer, eine große Kohlenschaufel, drei Kohlenzangen, eine Garderobensleiste, eine Aluminium Schüssel, sechs Kerzenhalter, 15 Blumenuntersetzer, Kleinwerkzeug, drei Kleiderbügel und allerlei Bürobedarf wurden gekauft. Auch eine Verbandkasten für „Erste Hilfe“ wurde angeschafft. Besonders reich wurde die Arbeitsgemeinschaft, „Geschickte Hände“ mit Handwerkzeugen, Klebpapier und Plastilin, auch mit zwei Schraubstöcken bedacht. Für die Nadelarbeitsstunden wurden einige Nadeln und buntes Strickgarn besorgt. „unter dem Datum vom 8. Januar heißt es: eine Papp- und Papierschneidemaschine wurde erworben.!
Die langatmige Aufzählung auch der unbedeutenden Gegenstände mark wohl sonderbar anmuten. Doch ist die folgende zu bedenken:
Jahrelang hatte die Hilfsschulklasse im Schatten der Großschulen ein Aschenbrödeldasein geführt. Sie besaß nichts, keinen Nagel, keine Nadel. Sie war bitterarm. Wie reich dünkte sie sich, als sie über die ersten eigenen Sachen verfügen durfte und nicht immer aufs Borgen angewiesen war. Wie froh war die Lehrkraft, dass sie das Schreibpapier für die dienstlichen Berichte nicht mehr wie bisher auf eigene Rechnung besorgen musste. Auch war der Einkauf meiner Dinge vor fünf Jahren noch recht zeitraubend. So waren zum Erwerb einer Waschschüssel aus Emaille etwa acht Gänge in die Haushalts – HO und langes Schlange stehen erforderlich.
Wie notwendig die reichliche Eindeckung mit Klebpapier war, zeigt sich im Herbst 1955, wo es als Mangelware kaum erhältlich war. So könnte im Werkunterricht noch eine Zeit lang auf die Reserve zurückgegriffen werden. Am 9. Januar 1953 bekam die Schule nach mehreren Schreiben an das Volksbildungsamt und an das Referat Außerschulische Erziehung ein Kleinbildwerfer „Filmosto Jubilar“ und am 11. März für sämtliche Fenster Verdunklunganlagen, von denen leider nur zwei zweckmäßig auf die Dauer verwendbar waren. Oft wurden von nun an im Werkunterricht und an Elternabenden Filme und Lichtbilder vorgeführt, was auch von der Bildstellung Pösneck lobend anerkannt wurde. Am 14. Januar empfindet die Schule aus dem Rathaus einen Aktenschrank. Dennoch fehlte es weiter an Schränken. Mehrere Schreiben an das Volksbildung samt Pösneck und an Möbelniederlagen in Erfurt und Gera hatten nicht den gewünschten Erfolg. Schließlich wurden die Möbel – drei Klassenschränke mit Garderoben teil, drei Lehrertische mit Schubladen und ein Lehrmittelschrank mit Glasvorderwand im Kontor des Geraer Auslieferungslager der DHZ Möbel von der Lehrkraft besichtigt und gleich bestellt. Trotz schriftlicher Mahnung wurden sie in Etappen erst im August Oktober geliefert.
Mitte Januar kamen die ersten auswärtigen Besucher in die Hirschschule. Am 12. Januar startete Schule Inspektor Flade der Schule ein Besuch ab. Am 21. Januar tagte die Arbeitsgemeinschaft der Hilfsschullehrer aus Gera und Greiz im Odertal. Der Stadtgärtner hatte daher die Fenster mit Primeln geschmückt. So machten die Räume einen festlichen Eindruck. Eine kleine Ausstellung von Handarbeiten und Zeichnung ersetzte den kulturellen Teil. Lehrer Kramer hielt eine Gesang Lehrprobe. Anschließend wurde das theoretische Thema, das Aufnahmeverfahren zur Diskussion gestellt. Am 26. Januar übergab die städtische Schulverwaltung der Hilfsschulleitung 30 DM zur Errichtung einer Portokasse. Im April begannen die Lieferungen des Leipziger Lehrmittelverlages. So finden sich in der Klassenchronik von 3. /5. folgende Angaben:
am 20. April 1953:
die Schule bekam eine Kohlmeise, ein Maulwurf, eine Schleiereule, ein Seidenspinner, Bienen mit Waben, zwei Lupen und eine Anschauungstafel mit dem menschlichen Knochengerüst. Ende April: zwei Karten von Deutschland und Europa wurden geliefert.
Eine Teillieferung von 3 Karten Ständern, eine Bilderhort, drei Bilderklemmleisten, 30 Tintenfässern 3 Wandtafellinealen und neun Wechselrahmen gingen ein.
Am 15. Mai 1953: die Schule bekommt zwei Anschauungstafeln vom Frosch und von der Stubenfliege.
Dann stockte wieder die Lieferung, da die Produktion der gewünschten Objekte oft nicht angelaufen war. Interessant ist vielleicht auch folgende
Notiz: am 9. / 10. Mai 1953 setzt reichlicher Schneefall ein.
Am 18. Juni erfolgte zwischen 13 und 17:45 Uhr im Ohratal die amtsärztliche Vor – und Hauptuntersuchung der gemeldeten 13 Neuaufnahmen durch Doktor Meißner als Vertreter des Amtsarztes.
Am 14. 4. Juli war Schulschluss und am Montag, dem 6. Juli, begannen die Sommerferien. Durch den stellvertretenden Schulleiter der Goetheschule wurden beide Hilfsschullehrkräfte im ersten Durchgang des örtlichen Ferienlager eingesetzt. Lehrer Kramer musste die Leitung des Lagers übernehmen, und die andere Lehrkraft hatte eine Mädchengruppe, aus den ersten Klassen zu betreuen. Mitte Juli kehrte Lehrer Krauter nach erfolgreiche Beendigung seines Studiums aus Halle zurück. Doch hatte er wegen einer Operation mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt nötig. Zu Schuljahresbeginn war er noch nicht dienstfähig und konnte daher auch nicht die Schulleitung mit der ihn die Schulaufsichtsbehörde mit Wirkung
Vom 1. September 1953 an betraut hatte, übernehmen Lehrer Kramer war vom 27. August bis 25. September wegen eines chronischen Halsleidens für eine Kur in Bad Langensalza nein in Bad Salzungen beurlaubt worden. So war die Hilfs Schulkamp rafft mit 56 Kindern
Am 1. September 1953
Allein zur Hilfe sandte das Volksbildungsamt aus Pösneck die Hilfsschullehrerin Schulze. Sie vertrat Lehrer Kramer. Die übrige Arbeit geleistete wie bisher auf der Seite 45 an der Hilfsschule tätigen Kraft. Der Pößnecker Abteilungsleiter bot ihr jetzt vier Stunden wöchentlich Stunden Abänderung an, um, wie er sagte, zu verhindern, dass auch sie zusammen breche; denn dann müsste die Hilfsschule geschlossen werden. So war es also wieder ein schwerer Anfang.
Bis 15. September wurden 27 Kinder im Pionierverband erfasst, also bei der Schülerzahl von 56 fast 50 %. Nach der Klassenchronik von III trafen im September einige bestellte Lehrmittel – das Ganzpräparat Star und eine Bezirkskarte von Erfurt, Gera, Suhl – ein, und im Oktober wurden mehrere Bälle, ein Thermometer, eine Menge Fröbelartikel und für die Lehrkräfte sechs weiße Handtücher gekauft. Viel Freude hatten die Kinder an den Bällen und Völkerball war an schönen Tagen in den Pausen ihr liebstes Spiel. Am 26. September wurde der Hilfsschule im Auftrag des Volksbildungsministeriums 34 Bände als Grundstock einer Bücherei übersandt. Diese wurden laufend erweitert und
zählte im November 1955 schon 184 Bände,
die von den meisten Kindern gern gelesen werden. Am 15. Oktober nahm Lehrer Krauter endgültig seinen Dienst als Schulleiter auf. Seine Klasse wurde die 6B. Lehrer Kramer übernahm die 6A, und Klasse 3/4 behielt ihre Lehrkraft. Herr Krauter stellte sich für das laufende Schuljahr das Ziel für die Hilfsschulkinder bessere Unterrichtsräume zu schaffen. Er wandte sich mündlich und schriftlich an die Maßgebenden Stellen in Ort, Kreis und Bezirk und schließlich über Halle an das Volksbildungsministerium, behandelte eingehend die Schulraumnot und schlug eine freiwerdende Neustädter Villa zur Einrichtung als Hilfsschule und zum späteren Ausbau als Hilfsschulinternat vor. Dort wurde das schön gelegene Gebäude dem Gesundheitsamt zur Errichtung einer Kinderkrippe übergeben. Gegen Ende des Kalenderjahres wurde eine Schreibmaschine erworben. So wurde bei der Erledigung der Büroarbeit im Vergleich zum vergangenen Jahr viel Zeit eingespart. Für den 5. November wurden die Eltern der Hilfsschüler zu einem Abend im Orlatal eingeladen.
Über eine Fahrt in den Leipziger zoologischen Garten sollte gesprochen werden. Das Thema lockte viele Eltern. Daher kamen auch solche, die sonst der Hilfsschule ablehnend gegenüberstehenden. An einem sonnigen Spätherbsttag fand die Fahrt mit Lastauto statt. Fast alle Schüler beteiligten sich an den dem Ausflug. Von mehreren Kindern fuhren auch die Eltern mit. Wie gut es allen in der Messestadt gefiel, verraten die Aufnahmen. Sie stammen aus dem Apparat, der damals gerade für die Schule gekauft worden war. Mit ihm wurden auch im Schulhof Gruppenaufnahmen und einige Schnappschüsse gemacht. Bei der Entwicklung der Filme in der Dunkelkammer der Neubauer Schule halfen Herr Krauter einige Hilfsschüler, und es war erstaunlich, wie präzise manche von Ihnen die Negative belichteten. Zum Weihnachtsfest erhielt jedes Kind mehrere Bildchen mit guten Wünschen durch seinen Klassenlehrer. Am 2. Dezember wurden wurde die Elternbeiratswahl vollzogen. Gewählt wurden Herr Klöpfel, Herr Wagner, Frau Kerl und Frau Flechtner. Den Vorsitz behielt Herr Klöpfel. Die Eltern bekamen Einblicke in die Arbeit der Schule durch Ausstellung von Handarbeiten, Zeichnungen und Heften der Kinder. Auch die gelungenen Fotos wurden in netter Zusammenstellung zur Ansicht da geboten. Auf dem Elternabend am 6. Mai, der gut besucht war, zeigte Lehrer Kramer sehr schöne Farbaufnahmen aus Neustadt Umgebung. Seine begleitenden Ausführungen waren stark mit Humor gewürzt und fanden bei den Eltern
Allseitig Anklang.Diese versprachen daher, von nun an öfter zu schulischen Veranstaltungen zu kommen. Von Mitte Mai bis Ende Mai wurden an den Kindern die beiden Pflichttestungen für die TPC – Impfung und schließlich auf freiwilliger Basis auf die BCG – Impfung durchgeführt. Am 17. Mai 1954
schied Lehrer Kramer aus dem Schuldienst, und so arbeiteten der Leiter und die eine Lehrkraft zunächst allein mit drei Klassen weiter. Für die Zeit vom 27. Mai bis 3. Juli verpflichtet das Volksbildungsamt Pösneck die Hilfsschullehrerin Schulze zur Vertretung in Neustadt. Sie gab in 7a /7 Donnerstag und Freitag je 5 Stunden. So konnte doch noch der Unterrichtsbetrieb ohne großen Stundenausfall bis zum Schulschluss durchgeführt werden. Nun sammelte Herr Kraut aus allen drei Klassen 17-18 Knaben und Mädchen für die von Gossitz ausgehende Sommerferien Wanderung. Als Helfer wählte er sich einen seiner früheren Schüler, der die zehnte Oberklasse absolviert hatte und sehr windig, sportlich und kameradschaftlich war, und die Mutter eines Knaben, die sich nun die hauswirtschaftlichen Angelegenheiten des Lagers kümmern und sich besonders der Mädchen annehmen sollte. Die Kinder packten sich ihre Reisesachen in Koffer und Rucksäcke, und an einem Juli trug sie ein Lastauto hinaus zum fröhlichen Wandern durchs schöne Heimatland. Die Unterbringung in einer Schulklasse war sehr primitiv. Da noch eine Normalschulklasse die Hälfte des Raumes beanspruchte
Nach mehreren Wochen ungebundener Freizeit fanden sich alle Kinder
am 1. September 1954
wieder in ihren Klassen ein. 3/4 wurde unter der alten Zeichnung weitergeführt. 6b wurde sechs und 7a Klasse 7. Die Leitung der obersten 19 Kinder starken Klasse übernahm Lehrerin Schikowski. Sie hatte 1949 in Leipzig die Hochschule für Lehrerbildung besucht, war fast sechs Jahre im Dorfschuldienst tätig und kam dann nach Neustadt, wo sie zuletzt an der Goetheschule wirkte und vier Jahre hindurch die beiden Abgängerklassen zur Abschlussprüfung führte. Sie qualifizierte sich durch Fernstudium in Deutsch zur Mittelstufenlehrerin, ging im Herbst 1954 zur Hilfsschule über, verpflichtete sich zu zweijähriger praktischer Tätigkeit an dieser Schulart und will zum Abschluss das Sonderschulstudium in Halle durchführen. Sie übernahm an der Hilfsschule den gesamten Sportunterricht, leitet als nebenamtliche Pionierleiterin den Pionierverband und ist für kulturelle Darbietungen der Kinder verantwortlich. Sie baute eine Flötengruppe auf und führte auch einen Zirkel für Volkstänze. Im Dezember übte sie mit den Kindern Flötenstücke, Lieder, Gedichte und ein Weihnachtsmärchen ein und gestaltete in der Aula der Neubauer Schule eine kleine nette Aufführung. Zum ersten Mal standen die Hilfsschüler auf der Bühne und boten ihren Eltern einen frohen Abend. Zum Schluss beschenkte der Nikolaus die Kinder mit Päckchen, die sie die in den vergangenen Jahren für
befreundete Kinder abgegeben hatten. Außerdem bekam jedes Kind noch einen bunten Teller auf Kosten der Schule. Die disziplinmäßig schwierigste Klasse mit 17 Kindern wurde Herrn Müller übergeben. Er wirkte an Mehrklassigen Schulen, leitete 15 Jahre eine Einklassige Schule, war während des weiten zweiten Weltkrieges eingezogen und leistete nach 1945 achteinhalb Jahre lang härteste Arbeit für den demokratischen Aufbau. Seine Wiedereinstellung als Lehrer erfolgte am 1. Januar 1954 an der Normalschule in Linda. Sein eigentliches Arbeitsfeld ist jedoch die Hilfsschule, die er in der Praxis schon als Junglehrer in Gera und Rudolstadt kennen gelernt hat. Hier gelingt es ihm, die Konzentration – und hemmungsschwachen Kinder in einem Arbeitskollektiv zusammen zu fließen und zu positiver Arbeit zu veranlassen. Die meisten von Ihnen fanden sich auch in freiwilligen, vom Lehrer eingeleiteten Bastelgruppen zusammen.
Für die Unterstufe zählte elf Kinder, deren Leistungen in Deutsch so unterschiedlich waren, dass sie in zeitlich getrennten Gruppen unterrichtet werden mussten. Zum ersten Mal wurde zu Schuljahresbeginn zwei Hilfsberufsschulklassen zu je 15 Schülern eingerichtet. Die Ordadinate übernahm der Schulleiter. Er zeigte schon immer regstes Interesse für die Berufsschule und hatte vor seiner Prüfungsarbeit längere Zeit in Pösneck in dem Amt für Arbeit- und Sozialfürsorge gearbeitet. Er vereinigte in seinen nach Geschlechtern getrennten Klassen im Jahre 1954 entlassene Hilfsschüler mit Abgängern aus den 5. Klassen der Normalschule aus der Stadt und den umliegenden Dörfern.
Recht bewegt verlief immer ein Tag im Lager. Gegen 6:30 Uhr standen die Kinder auf, brachten das Lager in Ordnung und wuschenen sich im Waschraum. Dann holten sie in der Betriebsküche einer Fabrik mehrere Eimer mit Kaffee und verzehrten zum ersten Frühstück Marmeladenschnitten. Um 8:00 Uhr traten sie zu ihrer Vormittags Wanderung an. Nach 1 Stunde rüstigen Ausschreitens machten sie Rast, um sich an mitgenommen Wurst – oder Käsebroten zu stärken oder sich in kühlem Gras auszustrecken. Überall mussten sie natürlich auch das Quellwasser kosten. Um 12:00 Uhr kamen sie heim und nahmen mit den Kindern des örtlichen Ferienlager im Essraum der Fabrik ihr Mittag Brot ein. Danach war bis 14:00 Uhr Ruhepause. Manche Kinder lagen auf ihrer Decke, andere spielten oder plauderten. Nach einem Trunk Kaffee und reichlichem Genuss von Marmeladenstullen zogen sie noch einmal hinaus in die Sonnengeschienen Welt. Diese Halbtagswanderungen führten sie in den Neumannsgrund, an die Schwarza Talsperre, durch ein Pionierlager und sehr oft an dem viel besungenen Rennsteig entlang. Um 18:00 Uhr kehrten sie meistens in Ihr Quartier zurück und gingen sofort ans säubern von Schmutz und ans Schuheputzen. Um 19:00 Uhr labten sie sich an kaltem Tee und Wurstbroten. Nach lebhaften Völkerball von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr suchten alle ihre Lagerplätze auf. Gespannt lauschen Sie noch dem Vortrag eines Märchens.
Dann schliefen Sie ruhig ein. Am Donnerstag, dem 21. Juli, standen sie wegen einer Ganztagswanderung schon um 5:00 Uhr auf und bereits um 6:00 Uhr zogen sie, reichlich mit Proviant versehen, hinaus ins Weite. Sie besuchten Sonneberg und Lauscha mit ihren Sehenswürdigkeiten, Gerieten in ein arges Gewitter, fuhren etwa 2 Stunden mit dem Zug und kamen nach einer Fußtour von 23 km um 19:00 Uhr ermattet nach Hause und erhielten jetzt eine warme am Mahlzeit. Schon nach kurzer Zeit war die Abspannung verschwunden, und die meisten Kinder hüpften und rannten wieder genauso herum wie sonst. Am nächsten Tag war Ruhetag. An diesem wurde die Heimarbeitsstätte einiger Steinhalder Glasbläser aufgesucht. Als Andenken an den Aufenthalt in dem schönen Luftkurort bekamen bei der Heimkehr alle Kinder durch Bezahlung aus der Wanderkasse einen hübschen Christbaumschmuck, dessen Herstellung sie mit erlebt hatten. Wohl hatte das Ferienlager nur sieben Tage gewährt. Durch die Kinder hatten, wie aus dem Fotos hervorgeht, ein großes Gebiet kreuz und quer durchstreift und ihre weitere Heimat kennen, schätzen und lieben gelernt. Nun konnten sie sich noch einige Wochen nach Herzenslust tummeln
Am 1. September 1955
wieder in der Schule. Viele Lernmöglichkeiten werden Ihnen im laufenden Schuljahr geboten. Die Abgänger der 8. Klasse werden Lehrplanmäßig mit den Grundlagen der Raumlehre, Physik und Chemie bekannt gemacht. Die Mädchen erhalten genau so Werkunterricht wie die Knaben. Große Freude löst bei Ihnen die Mitteilung aus, dass in den Ferien für die Schule eine Nähmaschine geliefert wurde. Nun können Sie auch den Umhang mit der Maschine erlernen, und bald sind sie eifrig dabei sich für ihre Volkstänze freundliche Kleider zu nähen. Die Aufgabe der Schule mit einem volkseigenen Betrieb einen Patenschaftsvertrag abzuschließen, wird am 30. September gelöst. Pate wird die Metallwarenfabrikation Neustadt. Diese verpflichtet sich, mit der Schule dauernd Kontakt zu halten und ihr ihren Kulturraum für Elternabende, Schulferien, Ausstellungen und Aufführung bereitzustellen.
Am 5. November 1955
darf die demokratische Hilfsschule
auf Ihr zehnjähriges Bestehen
zurückschauen. Aus kleinsten Anfängen ist sie zu einer Schule empor geblüht, die die ihr anvertrauten Kinder für den Lebenskraft tauglich machen will.
Am 5. November 1945
hatten Sie
eine Lehrkraft,
eine Klasse,
27 Kinder,
keinen eigenen Unterrichtsraum,
keine Bücher und keine Lehrmittel.
Am 5. November 1955
zählt sie
einen Schulleiter,
drei hauptamtliche Lehrkräfte und eine neben amtliche Lehrerin,
drei Hilfs – und zwei Hilfsberufsschulklassen,
41 Kinder und Berufsschüler,
drei feste Schulräume und einen zeitweise zu benutzendes Unterrichtszimmer, Lehrmittel
eigene Bücher und bis auf einen Physikbaukasten die wichtigsten
Allmählich hat er sich herumgesprochen, dass sie eine Einrichtung ist, in der die Kinder ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden, und diese neue Wertung der Hilfsschule ist auch in der Erstellung Manta in der Einstellung mancher Eltern zu dieser Schulart zu spüren. Hatten sich früher viel Erziehungsberechtigte gegen die Überweisung ihres Kindes in die Sonderschule gesträubt, so sind jetzt schon Fälle dafür bekannt, dass die Eltern von sich aus die Aufnahme ihres Kindes in die Hilfsschule beantragen. So möge denn diese Bildungseinrichtung auch im neuen Jahrzehnt so manchen Kinder auf den richtigen Lebensweg verhelfen, den jungen Menschen Gesellschaft tüchtig und leistungsfähig machen!
Am 9. Dezember findet die vorgeschriebene Elternbeiratswahl statt. Für Herrn Klöpfel, der am erscheinen bei schulischen Versammlungen meistens beruflich verhindert ist, wird Herr Wagner zum Vorsitzenden gewählt. Neues Elternbeirats Mitglied wird Frau Wollmann, deren Sohn noch mehrere Jahre die Berufsschule besuchen wird und die die Verbindung zum Patenbetrieb, in dem sie lange beschäftigt war, pflegen soll. Nach ihrem endgültigen Ausscheiden aus der Fabrik tritt an ihrer Stelle Frau Herzog. Vom 10. Dezember ab wird fleißig für die Weihnachtsfeier geprobt. Lehrer Müller übernimmt die Organisation der Aufführung und Leiter Lehrerin Schikowski die aus Gestaltung des Abends mit Flöten musik, Gesang und Volkstanz. Sie dichtet in Anlehnung an ein Gedicht ein Kindgemäßes Stück vom Weihnachgsbäumchen. Der Abend verläuft am 22. Dezember zu aller Zufriedenheit und bietet den Gästen einige genussreiche Stunden. Am Schluss erscheint der schon zur Tradition gewordene Nikolaus mit seinen guten gaben für alle Kinder. Im Januar 1956 wird für die siebte Klasse eine bezahlte Arbeitsgemeinschaft „ Geschickte Hände „in gebildet. Dem Schulleiter gelingt es, von einer Spende eine Menge nagelneuer Kleidungsstücke für die Hilfsschüler abzweigen zu lassen. So erhält jedes Kind am
13. Januar 1956
Mehrere Mädchen werden in der hiesigen Deckenfabrik als Ankernlingee aufgenommen. Eine Schülerin geht nach Mecklenburg, um in der Landwirtschaft tätig zu sein, und eine will Haushaltsarbeiten verrichten. Am 9. August fahren zwölf Knaben und acht Mädchen aus der siebenten und achten Klasse an die Ostsee zu einer Stützpunktwanderung. Quartier nehmen Sie in Ückeritz auf der Insel Usedom im Kreis Wolgast, Bezirk Rostock. Dass die Hilfsschule als erste und zunächst einzige Schule im Kreis Pösneck einen Platz an der See erhält, beweist das Interesse der verantwortlichen Funktionäre für die Förderung der schwachbegabten. In Weida steigen junge Ornithologen in die Sonderteile, in denen sich die Hilfsschüler mit ihren Lehrkräften befinden. Sofort werden Freundschaften geschlossen und traurig trennen sich die Kinder in Leipzig, da die Weidaer auf anderem Wege der Ostsee anstreben. Nach ermüdender Bahnfahrt kommen die Neustädter in Wolgast an, gehen zu Fuß in etwa 30 Minuten nach dem Inselbahnhof und erreichen nach einstündiger Bahnfahrt ihr Ziel Ückeritz, ein einfaches Seebad mit noch vielen Rohr gedeckten Häusern. Als Unterkunftsraum dient eine Schulklasse. Nur durch eine Tischreihe sind dort die Ruhestätten der Jungen von denen der Mädchen getrennt. Mittags werden die Kinder in dem der Schule an geschlossenen Hort verflegt. Die neben Mahlzeiten bereiten sie sich selbst. Die Getränke werden durch den
Hort geliefert. Anfangs herrscht stürmisches, nach drei Tagen freundliches Wetter. Einen tiefen Eindruck macht auf die Kinder der Anblick des Meeres, dass sie bei Windstärke 5-6 Kernen kennen lernen. Wie einen sehr großen Teich hatten sie sich die Ostsee vorgestellt. Dass sie so gewaltig und schön und erhaben ist, hatten sie nicht erwartet. Lange schauen sie von der Steilküste hinaus auf das weite Meer und empfinden wohl etwas von der Unendlichkeit der Welt. So oft sie mögen tummeln sie sich nun im Wasser. Die eine gute Schwimmerin schwimmt wohl täglich ein Stück hinaus ins sonnen beschienen Meer. Gern sammeln die Kinder am Strand allerlei Seetiere und Bernsteinstückchen. Sie versuchen sich im Angler Glück, buddeln sich im Sand ein, bauen Burgen oder lassen sich von der Sonne braun brennen. Ein Mädchen macht mit einer kleinen Bildkamera nette Aufnahmen. Schweren Herzens scheiden die Kinder von der hübschen kleinen Insel. Für die meisten von Ihnen wird dieser Aufenthalt die einzige Berührung mit der See bleiben. Für 34 DM – der Patenbetrieb spendete 400 DM – werden ihnen wohl dort nie wieder so unvergessliche Tage geboten werden. Auf der Rückfahrt besuchen sie in Berlin die Stalinallee und staunen über die gigantischen Bauten und die herrliche Blüten stadt der eingestreuten Gartenanlagen. Ende des Schuljahres verließen zwei Lehrkräfte die hiesige Hilfsschule. Lehrer Müller wurde auf eigene Wunsch an die Pestalozzischule in Gera versetzt.
Möge in der Zukunft die schulische
Einrichtung aus ihrem Aschenbrödelsein empor gehoben
und zu einer Zentral Hilfsschule mit vielen Einzugsbereichen ausgebaut werden!
Mögen die an dieser Anstalt tätigen
Lehrkräfte sich zu einem festen Kollektiv zusammenschließen und die geschädigten Kinder zu allseitig
gebildeten und faire und verantwortungsbewusst handelten Menschen erziehen!
Charlotte Fiebig.