Nach umfangreichen Vorarbeiten seitens der Schulleitung sandte man wegen der ungünstigen Schulräume (Orlatal) ein Schreiben an das ZK der SED und erreicht auf diese Weise von der Gemeinde Neustadt die Zusage für mehrere, zur Zeit noch bewohnte Räume, die in einer großen Villa in Arnaugk liegen und sich zum Ausbau für Schulzweg eignen. Durch Initiative des Schulleiters war das 1902 errichtete Haus der Stadtverwaltung vorgeschlagen wurden.
Am 29. August 1956
wird die hiesige Hilfsschule vom Orlatal nach dem Stadtteil von Haugk 24 verlegt. Der Umzug erfolgt mit sechs Lastkraftwagen. Schulinspektor Flade überzeugt sich selbst von der Umzugsarbeiten und freut sich, dass es ihm gelungen ist, der Hilfsschule günstiger Räume als bisher zur Verfügung zu stellen. Das einräumen in das neue Heim erfolgt an den letzten Ferientage durch die Lehrkräfte.
Im Gebäude befindet sich unten ein Büroraum mit fließendem Wasser und an der Nordseite eine als Wekraum dienende Küche, ein äußeres düsteres, kaltes Klassenzimer mit halbrunden Fenster in einer Stubencke und einen für den Hilfschulunterricht fabelhaft geeigneten Wintergarten mit drei breiten Fenstern nach Norden und einen ebenso großen Fenstern nach Westen. Im Saal ist Klasse 8 untergebracht, im Südzimmer Klasse 6 und im unfreundlichen Nordzimmer stecken die lichthungrigen, sich nach frohen Farben und Sonnenwärme sehnenden Kleinen. Wir wollen noch wachsen. Wir wollen in lichtdurchfluteten Räumen unsere Schulstunden verbringen. Wir möchten unendlich gern in dem Wintergarten lernen oder es in unserem Klassenzimmer heller haben hört man sie leise wispern. An diesem Raunen darf die Schulleitung nicht vorübergehen. Sie wird hier gar bald eine Lösung herbeiführen müssen. um nicht die Augen von Lehrkraft und Kindern aufs Spiel zu setzen, den Unterrichtstätigkeit in obigenm Raum ist wegen der gegenwärtigen, überaus ungünstigen Lichtverhältnisse vom gesundheitlichen Standpunkt aus nicht vertretbar. In sämtlichen Räumen ist Zentralheizung vorhanden. Das dunkle Zimmer verfügt außerdem noch über einen Kachelofen. Alle Fenster bieten einen wunderschönen Ausblick ins Grüne von der Nordseite her sind tief unten die Häuser der Innenstadt zu sehen.
Am 1. September 1956
Stellt der Schulleiter den zu einer kleinen Feierstunde versammelten Kindern neben einigen Neuaufnahmen Lehrerin Kramer vor. Diese ist nach Besuch der Oberschule bereits seit 1932 mit nur zweijähriger Unterbrechung im Schuldienst tätig. Sie erhielt ihre Ausbildung als technische Lehrkraft und wirkte als Turn, Haushalts – und Handarbeitslehrerin an Normal Berufs – und Oberschule sowie an einer Lehrerinnen Bildungsanstalt. Sie gab jahrelang an einer Hilfsschule Handarbeitsunterricht, wurde 1942 auch zur Erteilung wissenschaftlichen Unterrichts herangezogen und war nach 1945 Leiterin einer Grundschule in Werdau. In den letzten zwei Jahren war sie an der Theo Neubauer Schule mit halber Stundenzahl beschäftigt.
Gleich im September setzt eine rege außerschulische Arbeit ein. Schießgruppe und Volkstanzzirkel fördern die Pionierarbeit, sämtliche Kinder gehören nun dem Verband an. Die verstärkte Heranziehung der Knaben der 8. Klasse zur Gartenarbeit verbessert die polytechnische Bildung. Die Erfassung aller Schüler im Turnunterricht und außerschulischen Sport dient der Stärkung der patriotischen Erziehung. So versucht auch diese kleine Hilfsschule den ihr von der Gesellschaft erteilten Auftrag – die physisch und psychisch gehemmten Kinder ihren Tätigkeiten und Neigungen entsprechend auszubilden und für nutzbringenden Gliedern des Volkes zu erziehen – zu erfüllen. Wie weit sie in ihrem Bestreben bereits Erfolg hat, geht wohl am besten daraus hervor, dass bis zum Herbst alle 1956 entlassen Neustädter Hilfsschüler durch die Bemühungen des Schulleiters in Arbeitsstellen untergebracht wurden.
Durch Schenkung erhält die Schule drei ausgestopfte Tiere: zwei Eichhörnchen und einen Marder.
In der 2. Oktoberwoche wird ein neuer Heizkessel an die Esse angeschlossen. Undichte Röhren werden repariert oder entfernt. Am 15. Oktober wird die Dampfheizung in Betrieb gesetzt, und bereits einen Tag später herrscht wohlige Wärme in allen Räumen.
Am 17. Oktober findet im neuen Heim der erste Elternabend mit Besprechung über die Elternbeiratswahl statt. Der Schulleiter schildert die Sommerreise der Kinder an die See und lässt in einem wunderschönen, selbst hergestellten Farbfilm die Stranderlebnisse mit erleben.
Mit dem Vorschlag der Lehrkraft F, den dunklen Unterrichtsraum durch den Ausbau eines weiteren Fensters zu erhellen und den Wintergarten für Unterrichtszwecke herrichten zu lassen, erklärt sich die Schulleitung einverstanden. Sie setzt sich sofort mit der Abteilung Aufbau in Verbindung, und bereits am 6. Februar besichtigt eine Kommission vom Bauamt den Raum und erklärt sich bereit, die baulichen Veränderung beim Ausbau des Bodens, auf dem zwei Wohnungen erstellt werden sollten, vorzunehmen. .
Am gleichen Tage übernimmt Lehrer Wohlfeld zwei Stunden Spiele, zwei Stunden Knaben - und zwei Stunden Mädchenturnen.
Am gleichen Tag übernimmt Lehrer Uhlfeld 2 Stunden Spiele, 2 Stunden Knaben und 2 Stunden Mädchen Mädchen turnen.
Er besuchte die Pädagogische Fachschule, wurde als Turnlehrer ausgebildet, Ist als Sportlehrer an der Goetheschule tätig und gibt die Stunden an der HIlfsschule außerplanmäßig. Vom 17. Februar ab fallen die Turnstunden wieder weg, da die Bezahlung der Überstunden erst geklärt werden muß. Von der Lehrerinn Kramer wird eine Schüler- Harmonikagruppe aufgestellt. Diese tritt alle 14 Tage zusammen. Inzwischen ist es infolge der für die Jahreszeit zu milden Wetters Vorfrühling geworden . Bereits am
4.Februar waren am Buchnussberg die Blätter von Leberblümchen zu sehen. Die Salweiden
strecken ihre weiß betupften Zweige in den blauen , wolkenlosen Himmel und die Trauerweiden schimmerten gelbgrün. An der Nordseite des Schulgebäudes schaukeln seit 14 Tagen vorm Klassenfenster die Haselnusskätzchen. An Bäumen und Sträuchern zeigen sich schon grüne Spitzen an den Knospen. Am 20. Februar läuten überall in den Gärten die Schneeglöckchen und die Amsel singt täglich ihr Morgenlied.
In einer Pionierstunde bäckt Frau Kramer mit den ältesten Mädchen im Jugendklubheim eine schöne Butterkremtorte, zu der die Gemeinde die Zutaten zur Verfügung gestellt hat.
Schon jetzt freuen sich die Kinder auf die nächste Haushaltsstunde, die vom 1. März an monatlich einmal stattfinden soll.
Bereits am 8. März geht über der Stadt ein Gewitter nieder. Am 11. März entfalten sich im Schulhausgarten an manchen Sträuchern die ersten Blattknospen. Mitte Märzer erklärt Frau Goldbaum ihren Austritt aus dem Elternbeirat.
An einem Wochenende besuchte Frau Kramer mit einigen Kindern die Jugendherberge in Neidenberga.
Die letzte Maiwoche ist mit Vorbereitungen für den Internationalen Kindertag ausgefüllt. Die Kinder schreiben Einladungskarten an die Eltern und an Angehörige des Patenbetriebes und verzieren sie mit bunten Blumen.
Die Frauen des Elternbeirates backen leckere Kuchen.
Am 1. Juni treffen sich die Kinder mit ihren Eltern auf dem Schulgrundstück zu einem Gartenfest. Erwartungsvoll nehmen sie an den weißgedeckten Tischen Platz, und bald tun sie sich an Kaffee und Kuchen gütlich. Besonders geehrt fühen sie sich durch den Bürgermeister und seine Frau, die an der Kaffeetafel teilnehmen.
Ein kleines , von der Kollegin Kramer gestaltetes Kulturprogramm leitet durch Gedichte, frohe Lieder und einen Volkstanz zum sportlichen Teil des Tages hinüber. Die Kinder machen einige Spiele, erhalten als Sieger Preise und spielen danach Völkerball. Das Spielgeschehen wird von den Angehörigen, die in großer Zahl erschienen sind, aufmerksam verfolgt. Mit Beifall wird nicht gekargt.
Am 19. Juni findet als Auftakt für die Volkswahl eine mit einer Ausstellung von Schülerarbeiten verbundene Elternversammlung statt. Leider leisten nur wenige Eltern der an sie ergangenen Einladung Folge. Die Erwachsenen bewundern die sauberen , sogfältigen Kinderarbeiten: Zeichnungen, Falt- ,Flecht-,Ausschneide- und Papparbeeiten. Danach gibt der Schulleiter einen kurzen geschichtlichen Rückblick, mahnt die Anwesenden an ihre Wahlpflicht, spricht über die schlechte Disziplin vieler Kinder und erläutert den Wanderpan für die 1. Ferienwoche,
Schnell vergehen noch die letzten Schulwochen. Am 6. Juli findet im blumengeschmückten großen Klassenraum die Entlassung der Abgäner aus der Hilfs- und Hilfsberufsschule statt.
Mit Gesang und Rezitation umrahmen die schlichte Feierstunde. An Gästen sind Stadtrat Müller. der Elternbeiratsvorsitzende und der Jugendleiter anwesend. Einige Berufsschüler erhalten Buchprämien für einwandfreie Führung und gute Leistungen im Unterricht und auf ihren Arbeitsstätten. Schulleiter und Stadtrat gaben den Abgehenden gute Worte mit für ihren Lebensweg. Unter Führung des Schulleiters und der Lehrerin Kramer findet die angekündigte Wanderung durch die weitere Umgebung unseres Ortes statt. Auch ein Elternbeiratsmitglied beteiligt sich an den Ausflügen. Die erste Wanderung führt von Neustadt über Neunhofen und Laudnitz nach dem schön gelegenen Mariengrund. Dort wird Mittagbrot gegessen und Zwiesprache mit einer Gruppe der Geraer Hilfsschüler, die dort in einer Behelfshütte untergebracht wurde, gehalten. Am zweiten Wandertag geht's zu Fuß nach der Linkenmühle, von der Gaststätte mit Motorboot nach der Hohenwartetalsperre. Von dieser auf schönen Fußwegen über Bucha nach Orlamünde und schließlich mit der Bahn nach Pößneck, wo die Rückfahrt angetreten wird. Nach einem Ruhetag wandert die Gruppe bei weniger günstigem Wetter nach der Leuchtenburg, wo jetzt wieder ein Zimmer mit Rüstungen gezeigt wird. Mit 6 Knaben und 3 Mädchen verläßt am Schuljahresende auch Frau Kramer die Hilfsschule, um ihre Tätigkeit an der Neubauer Schule aufzunehmen.
In den großen Ferien wurden in den Schulräumen die Heizkörper verstärkt, und im Wintergarten wurde sogar ein zweiter angeschlossen.
Das Lehrerkollegium hatte verschiedenste Fortbildung und musste erst eine Lehrergemeinschaft bilden. Manchmal mussten sich Schüler erst an die einfachsten Disziplinregeln gewöhnen. Ein günstigeres Wirkungfeld wird es erst vorfinden, wenn eine größere Kinderzahl aus der Hilfsschule und die weiterbilden der Schule übertreten wird. Die 12 und 13-jährigen Knaben der 7. Klasse vereinigte sich in einer Arbeitsgemeinschaft für Schießen und versuchte hier sich an Konzentration zu gewöhnen und ihre patriotische Erziehung zu verbessern. Auf Schulausflügen in die nähere und fernere Umgebung Neustadts erweiterten und vertieften die Kinder der einzelnen Klassen ihre heimatkundlichen Kenntnisse Im Jahr 1955 fuhren einige Hilfsschulkinder nach Oberhof zu den Wintersportmeisterschaften der Schüler.
Zur Unterstützung des musikalischen Unterrichts wurde im September ein Akkordeon und mehrere Blockflöten angeschafft.
Das politische Ziel des Schuljahres war die Gewinnung der Elternschaft für die Arbeit der Schule. Diesem Zweck diente auch eine Autofahrt mit den Eltern durch den Thüringer Wald. An einem schönen Herbsttag fanden sich die Teilnehmer zwangslos zusammen und verbrachten bei angeregte Unterhaltung einige gemütliche Stunden. In Lauscha besichtigten sie das Glasbläser – und in Sonneberg das Spielzeugmuseum.
Im November wurde der Elternbeirat wieder in seiner alten Zusammensetzung gewählt.
Zum Schulschluss verließen 8 Kinder die Schule und wurden soweit sie körperlich einsatzfähig waren, in den Arbeitsprozess eingegliedert.
Im Juli trafen etwa 30 Jungen und Mädchen Reisevorbereitungen für ihre Stützpunktwanderung im Thüringer Wald. Manche hatten während des des ganzen Jahres eifrig Sparmarken gekauft und verfügen daher bereits über eine kleine Geldsumme. Die Gemeinde zahlte für jedes Kind 8 DM. So waren von jedem Teilnehmer für Auto – und Bahnfahrten, Mahlzeiten und Eintrittsgelder für Museen etwa noch 15 DM zu tragen.
An einem heiteren Sommertag fuhren die Kinder in der Begleitung von Lehrkräften – am ersten Ferienlager nahm auch die Mutter einer Schülerin teil – für sieben Tage nach Steinheim am Rennweg. Dort erlebten die Mädchen vom 17. bis 24. und die Knaben vom 24. bis 31. Juli in etwa 900 m Seehöhe einige wunderschöne Tage. Allerdings wurden die Kinder sehr spartanisch in einem unfreundlichen Schulraum untergebracht. Doch brauchten sie ihr Strohlager nicht mit einer anderen Klasse teilen.
Am 2. September 1957
beginnt mit 25 Kindern das neue Schuljahr mit nur 2 Klassen und 2 Lehrkräften.
In den Herbstferien wird die Esse erhöht und dadurch die Voraussetzung für eine einwandfreie Beheizung der Schulräume geschaffen.
Sehr gut beteiligen sich die Kinder mit ihrem Schulleiter an der Kartoffelernte. Sie leisten insgesamt weit über 1500 Arbeitsstunden. Manches Kind hat 3-4 Wochen lang tüchtig gebuddelt und sich eine ansehnliche Summe Geld verdient. So lernen auch die Hilfsschüler den Wert der körperlichen Arbeit schätzen und werden durch die gemeinsame Tätigkeit auf dem Feld sozialistisch ausgerichtet. Anfang Dezember werden im Nordzimmer endlich zwei Neon leuchten aufgehängt.
An den Weihnachtsferien wird das Lehrerzimmer renoviert. Anfang Januar 1958 erhalten die Heizröhren und die hygienischen Einrichtungen einen neuen Anstrich. Am 25. Januar erfolgt zur allergrößten Freude von Kindern und Lehrkraft der Umzug aus dem finsteren Nordzimmer in den lichten Wintergarten, dessen Südwand durch Glaswolle abgedichtet wurde. Vier große Fenster erhellen den Raum und bieten eine herrliche Aussicht in den Garten, auf Neustadt und Neuenhofen.
Anfangs leistet im Unterricht eine Rechenmaschine mit Schreibfläche nur dürftigen Ersatz für die fehlenden Warntafeln.
Am 11. Februar ist zum ersten Mal der Elternbeirat fast völlig versammelt. Nur Frau Bader fehlt. Die Eltern erhalten Aufschluss über die Zensuren Erteilung, 2. das allgemeine Verhalten der Kinder 3. die Eingliederung der Schulabgänger in den Arbeitsprozess 4. die bevorstehende zwölftägige Fahrt der Kinder in die Bezirke Rostock oder Potsdam und 5. die beantragte Wiederaufnahme des Turnunterrichts durch Herrn Wohlfeld.
Die Versammlung findet im Kulturraum der Metallwarenfabrikariation statt. Vor dem Sommerferien wollen sich die Elternbeiräte noch zweimal zur zwangslose Aussprache treffen.
Für den 8. März fertigen die Kinder der Klasse 3 Lesezeichen in Reißtechnik und die Schüler der Klasse 5 solche in Ausschneidearbeiten an. Die Mädchen aus Klasse 5 überreichen die Zeichen den Frauen des Patenbetriebes anlässlich einer kurzen Feier- stunde im Rohrleitungsbau und geben auch eine selbst angefertigte Glückwunschkarte ab. Ein Knabe aus Klasse 6 sagt ein Gedicht auf.
Mitte März wird eine Schiebetafel in den Wintergarten gestellt. Der Platz ist nun sehr beengt doch das die didaktische Prinzip der Veranschaulichung wird berücksichtigt.
Inzwischen nahmen die Jugendweihlinge an manchen schönen Erlebnisstunden teil. Sie sahen sich in Neuenhofen eine MTS an und labten sich danach an Kaffee, Streusel – und Käsekuchen.
Am 1. März, dem 2 Geburtstag der nationalen Volksarmee, fuhren sie kostenlos nach Gera, besichtigten dort eine Kaserne und erzielten ein kräftiges Mittagbrot. Am 17. März fuhren sie nach Leipzig – Buckan, wurden von Fachkräften mit den einzelnen Teilen des Flughafens bekannt gemacht und 15 Minuten in einem Lufttaxi über der Stadt herumgefahren. Ein wunderbares Erlebnis ist diese Fahrt für alle. Dann dürfen die Kinder auch das Sportgelände für die Leipziger Turnfeste in Augenschein nehmen.
Am 6. April erhalten 4 von den 7 zur Entlassung kommenden Schüler die Jugendweihe.
Am 10. April übernimmt Frau Leukert den Nadel- arbeitsunterricht.
Am 21. April findet an den Kindern der 3. und 5. Klasse die TBC – Pflasterung statt. Am 23 April erhalten vier von Ihnen die Hautspritze und am 26. April werden diese Kinder zur Nachschau bestellt. Bei zweien wird ein stark positiver Befund erhoben.
Der Schulleiter fehlt Krankheitshalber 8 Wochen. Seine Klasse muss vom 12. bis 24. Mai mit zehn Wochenstunden durch die Unterstufenkraft vertreten werden. Diese Stunden fehlen natürlich den Klassen 3 und 5.
Die Abgänger wollen in volkseigenen Betrieben als Hilfsarbeiter zu schaffen anfangen. Anlernverträge für Sie werden von vielen Betrieben abgelehnt, da die Jugendlichen in der normalen Berufsschule, in der auch Abiturienten ihr praktisches Jahr ableisten, theoretisch völlig versagen. Sie können nur vom Betrieb aus qualifiziert werden und sich Leistungslohn erarbeiten.
Am 3. Juli findet eine röntgenologische Untersuchung der Kinder statt und am 5. Juli schließt das Schuljahr.
Am 1. September 1958
Beginnt das neue Schuljahr mit einer Feier anlässlich des Weltfriedenstageses.
Für den 30.9.1958 ist die Elternbeiratswahl angesetzt worden. Anwesend sind außer den hauptamtlichen Lehrkräften Frau Bader vom Patenbetrieb, Frau Georgi aus dem Kreis Pflegeheim Herr Böttcher aus Molbitz, die Frau Balzer, Goldbaum, Zettl, im Imraly und Herr Rentsch. Frau Georgi ist Köchin im Pflegeheim. Sie hat sich verpflichtet, gegen Bezahlung die Haushaltsstunden, die wegen der Versetzung der Kollegen Kramer an die Theo Neubauer Schule weggefallen musste, zu erteilen. Sie weist wöchentlich in 1 Stunde die Mädchen, die 1959 zur Entlassung kommen, in der Heimküche in allerlei Arbeiten.
Herr Böttcher ist in dem Neustädter Karussellbetrieb voll beschäftigt und hat in der Hilfsschule den Werkunterricht in den oberen Klassen übernommen. Er fand sich rasch in die Hilfsatmosphäre hinein, und unter seiner Anleitung fertigen die Kinder im Laufe des Schuljahres recht brauchbare Gegenstände sorgfältig an.
Vor der Wahl gibt der Schulleiter einen Bericht über das verschlossene Schuljahr und zeigt Direktiven für 1958/59 auf. Obgleich noch nicht 25 % der Wahl beteiligten erschienen sind, werden im Einverständnis mit Herrn Hörig, der als Vertreter des Volksbildung ungsamtes an der Versammlung teilnimmt, die Frauen Bader, Zettl, Imraly und Herrn Rentsch als Elternbeiräte und Frau Goldbaum als Ersatzmitglied gewählt. Die Vorstellung des neuen Elternbeirates soll in der nächsten Elternversammlung, an der alle nebenamtlichen Kräfte teilnehmen sollen und in der der Film vom Ferienlager in Lietzo gezeigt werden soll erfolgen.
Vom 11. Februar ab muss die Klassenlehrerin der Unterstufe den erkrankten Schulleiter mit 8 Wochenstunden in der Oberstufe vertreten und die Schulleitungsgeschäfte ohne Stundenabänderung erledigen. Von diesem Zeitpunkt ab hat Klasse 4 nur 11 und Klasse 3 bloß 5 Stunden wöchentlich Unterricht. Die Verantwortung für den ganzen Betrieb ist groß, der Dienst hart und Nervenzermürbend. Die Vertretung dauert 3 Monate und ist erst am 16. Mai wegen gesundschreibens des Schulleiters beendet.
Am 17. Juni werden die von der Normalschule für die Umschulung gemeldeten Kinder Nervenfachärztlich untersucht, und Anfang Juli erhalten die Hilfsschüler ihre Versetzung – beziehungsweise Entlassungszeugnisse. Am
Schuljahresende legt Herr Krauter aus gesundheitsrücksichten seine Funktion als Schulleiter nieder und übergibt die Schulleitungsgeschäfte der Unterstufenlehrkraft Tiese, sie nennt dem Herrn Kreisschulrat Simon verschiedene Lösungen der Personalfrage. Doch sind diese leider nicht realisierbar. So muss eben die Chronikschreiberin mit 58 Jahren noch einmal die Verantwortung für den ganzen Betrieb übernehmen. Für war eine harte Aufgabe. Dort teilt die Chronistin dem Volksbildungungsamt schriftlich mit, dass sie die Leitung nicht weger finanzieller Vorteile übernimmt, sondern nur im Interesse des Dienstes und aus kollegialen Mitgefühl,. So beginnt das Schuljahr
1959/60 am 1. September
Mit einem Personalwechsel in der Leitung. Am 2. September weist Lehrer Krauter die neuen Werklehrer Dietz aus Moderwitz, in seine Arbeit ein. Herr Dietz ist gelernter Zimmermann und in dem Karussellbetrieb in Neustadt tätig. Er hat sich bereit erklärt in den oberen Klassen den polytechnischen Unterricht zu geben. Am 9. September beginnt der Sportunterricht unter Herrn Schweizer. Dieser Kollege besitzt die Qualifikation für die Oberstufe, erteilt in der Goetheschule Geschichts – und Turnstunden und fast die Hilfsschüler der oberen Jahrgänge sportlich in einer bezahlten außerschulischen Arbeitstgemeinschaft zusammen.
Am 28. Oktober findet ein Schulausflug aller Klassen nach der Burg Ranis statt, wo von den älteren Schülern das Museum besichtigt wird.
Am 12. Dezember werden in der Pionierfeierstunde zehn Kinder in die Pionierorganisation aufgenommen. Zwölf Elternteile sind anwesend.
Am 20.1.1960 werden als Elternbeiräte die Frauen Wullman, Zettl und Zmraly sowie Herr Rentsch gewählt. Letzterer übernimmt auf Wunsch den Vorsitz.
Vom 8. bis 13. Februar ist Lehrer Krauter krank. In seinem Klassen werden von der Schulleiterin Vertretungsstunden gehalten und diese von den Stunden der 4. Klassen abgezogen.
Für den Kindertag wird in Arnshaugk ein Gartenfest mit kulturellem Programm, Kaffeetafel, Belustigungen und Lampionumzug geplant. Leider kann Lehrer Krauter wegen schwerer Erkrankung in keiner Weise bei dem Fest mithelfen. So lasten die umfangreichen äußerst anstrengenden Vorbereitungen, die Ausgestaltung und die Nacharbeiten hauptsächlich auf der jetzigen Schulleitung. Die Handarbeitlehrerin Frau Leukert – ihr Mann ist Leiter der hiesigen Oberschule I – hift tüchtig mit beim Schreiben und verzieren der Einladungskarten durch die Kinder. Die Elternbeiräte besorgen dass Kuchenbacken . Herr Dietz stellt sein Kinderkarussell zur Verfügung. Er transport es mit Kindern von Moderwitz
nach Arnshaugk Kümmert sich mit Herrn Rehe der in der Schule den Posten eines Hausmeisters inne hat,
um die Aufsteung von Tischen und Stühlen sowie um das Anbringen von bunten Girlanden und Lampions im Gartengelände. Der herrlicher Sommertag gibt die nötige Stimmung, und um 15:00 Uhr treffen sich die Kinder mit ihren Angehörigen vorm Schulhauseingang. Sie bieten einen netten, aus Kinderliedern und Gedichten bestehendes Programm und geben sich dabei große Mühe. Dann erhalten Sie ein festlich gedeckten Tisch und Kaffee und einen großen Teller mit Kuchen. Zank und Plätzchen gibt es nicht, da auf jeden Tischkärtchen mit den Namen der um den Tisch sitzenden Kinder aufgestellt sind. Nach der Kaffeetafel werden allerlei Rasenspiele gemacht und Gewinne – Hefte, Bleistifte Lineal und Süßigkeiten – verteilt. Unendlich viel Freude bereitet den Kindern eine Fahrt auf dem Kinderkarussell. Gegen Abend werden von Frau Rehe Bockwürste warm gemacht. Die Herrn Dietz, Rehe und Rennsch holen Brausen und Bier aus der nahen Gastwirtschaft, und so können Kinder und Erwachsene ihren Durst löschen. Schön wirken am Sommerabend die bunten Lampions. Leise erklingen Mundharmonikaweisen. Gegen 21:00 Uhr zünden die Kinder die Kerzen in den für den Heimweg mitgebrachten Papierlaternen an und tief befriedigt ziehen Sie mit ihren Eltern bis 22:00 Uhr aus dem Schulgelände.
Am 1. September 1960
beginnt der Unterricht mit zwei haupt – und zwei nebenamtlichen Lehrkräften. Kollegin Fiebig übernimmt die Unterstufe und Lehrer Krauter die Mittelstufe. Er will selbst den Werkunterricht erteilen und den Unterrichtstag in der Produktion durchführen. Dieser soll in der Brauerei stattfinden. Eine Werkbank wird an die Arbeitsstelle transportiert. Zwei Einführungsstunden finden statt.
Am 15. September erkrankt Lehrer Krauter und wird wegen nervenfachärztlicher Behandlung für acht Wochen zur Kur in die Krankenanstalten Stadtroda eingewiesen. Drei Wochen lang ist die andere Lehrkraft zur Beschulung der 35 Hilfsschüler und zum Verwaltungsdienst allein. Dann übernimmt einen 65-jähriger Vertragslehrer mit der Qualifikation für die Klassen 5-10 mit 12/ab ( 1. Januar 1961 mit 14 ) Stunden die teilweise Vertretung für Herrn Krauter, der vom 1. November 1960 an für die Dauer eines Jahres invalidsiert wird.
Der U TP und das Werken müssen jetzt fortfallen. Mit dem Einsatz eines Produktionsarbeiters in diesem Fach wurden zuletzt keine günstigen Erfahrungen gemacht. Deshalb wird da davon abgesehen, eine pädagogisch nicht vorgebildete Kraft für den praktischen Unterricht der Hilfsschulkinder zu gewinnen. Die an den Groß Schulen tätigen Werklehrer sind voll ausgelastet und können für unsere Kinder auch stundenweise
nicht zur Verfügung gestellt werden. Der gesamte Unterricht muss wegen der schlechten personellen Besetzung stark gekürzt werden. Größter Wert wird auf die Erteilung der Kernfächer Rechnen und Deutsch gelegt, denn gerade das Lesen bildet ja die Grundlage für den Erwerb weiterer Kenntnisse.
In unserer Schule befinden sich nur wenige A – Schüler. In der Unterstufe sind hauptsächlich B – Schüler, denn in den letzten Jahren wurden bloß Kinder mit starken physisch – psychologischen Mängeln in die Hilfsschule aufgenommen.
Frau Leukert erteilt 4 Stunden Nadelarbeit und 2 Stunden Werken. Herr Schweizer gibt den Turnunterricht. Am 24. September 1960 wird auch für die Unterstufe eine Arbeitsgemeinschaft für Turnen gegründet. Für die Kinder aus den Klassen 6 und 8 wird das Schwimmen als Pflichtfach eingeführt.
Am 11. Januar 1961 findet die Elternbeiratswahl statt. Sie wird durch eine kleine Ausstellung eingeleitet. Frau Leuker zeigt Näh-, Stick – und Flechtarbeiten aus den Klassen 5,6 und 8 und Lehrerin Fiebig Zeichnungen, Falt – und Ausschneidesachen der Kinder aus 3 und 4. Auch einen 165,- DM teuren Nährahmen, der gerade am Vormittag eingetroffen ist, können die Eltern in Augenschein nehmen. Kurz vor dem Wahltag hat der Eltern- beiratsvorsitzende gebeten, ihm seine Funktion abzunehmen. Er ist kriegsgeschädigt und gesundheitlich nicht auf der Höhe. Seine Frau ist berufstätig und hat eine große Familie zu versorgen. Beide können daher am 11. Januar nicht an der
Versammlung teilnehmen. Aus diesem Grund fällt der Rechenschaftsbericht weg. Kollegin Fiebig gibt als Ersatz einen Überblick über die Schulsituation seit dem 1. September 59 und er erinnert die Eltern an die Höhepunkte im Schulleben ihrer Kinder, den 13. Dezember 1959 und den 1. Juni 1960, wo die Schüler die Erwachsenen durch nette, aus Gedichten von Liedern bestehende Kulturprogrammen erfreuten. Sie dankt nochmals den Frauen, die ihr am Kindertag bei der Gestaltung des Gartenfestes durch Herstellung von Kuchen und Verteilung von Eßwaren und Getränken geholfen haben. Genauer kennzeichnet sie das verflossene Tertial des laufenden Schuljahres. Sie bittet die Eltern, die Lehrkräfte bei der Anfertigung und Beaufsichtigung der Schüler – Hausaufgaben nach besten Kräften zu unterstützen und hauptsächlich die Leseübungen aller Kinder zu überwachen, da die Hortkinder nur die schriftlichen Schularbeiten im Heim machen. Sie gibt als Neuerungen die Einführung des Pflichtschwimmens für die oberen und des Turnunterrichts für die unteren Jahrgänge bekannt und ersucht die Erziehungsberechtigten die Kinder regelmäßig zum Schwimmen und Turnen zu schicken. Sie berichtet von der Ausstattung des größten Klassenraumes mit einer Verdunkelungsanlage, die von den Lehrern geschaffen wurde. Dafür konnten
den Kindern vor Weihnachten mehrere Filme gezeigt werden. So wird auf jede erdenkliche Weise versucht, die Forderung der Regierung, die Kinder vielseitig auszubilden, auch in der kleinen Hilfsschule zu erfüllen.
Die Schulleiterin weist die Eltern auch auf den außerschulischen Einsatz der Kinder hin, wie er sich bei der Sammlung von Altstoffen, dem Vertrieb von Bausteinen, ja, auch dem Erwerb von Sparmarken zeigt. Sie erwähnt auch die Kinder, die im Reitverein oder Fußballklub organisiert sind oder an einer Arbeitsgemeinschaft der technischen Station teilnehmen. Nach dem Bericht erfolgt die Wahl des Elternbeirates in Form einer Ergänzungswahl. Die Elternbeiratsvorsitzende ist bereits von seinem Amt zurückgetreten, und ein Elternbeirat – Frau Wullmann – ist von selbst ausgeschieden, weil ihr Sohn seiner Schulpflicht genügt hat. Die Wahlhandlung wird vom Kollegen Arndt durchgeführt. Seine Worte an die Eltern stehen unter dem Motto: Eltern und Lehrer erziehen gemeinsam die Kinder zum Sozialismus. Erbittet die Eltern mit den Lehrkräften und nicht gegen sie zu arbeiten und führt auch aus, dass er altersmäßig nicht die volle Vertretung für den erkrankten Kollegen übernehmen könne, doch nach besten Kräften der Schule helfen wolle. Der Elternbeirat wird einstimmig gewählt. Gegenstimmen und Stimmenenthaltung gibt es nicht.
Von den Abgängern werden die beiden Mädchen in der Wotufa als Hilfsarbeiterinnen angenommen. Zwei Jungen werden in der Tuchfabrik von Könitzer untergebracht, und ein Knabe wird von dem VEB REGULUS
in den Arbeitsprozess eingegliedert.
Zum 1. September 1961
wird an unserer Schule eine dritte Planstelle geschaffen und durch Fräulein Schikowski besetzt. So wird der wichtigste im Diskussionsbeitrag zum VI. pädagogischen Kongress gemachte Vorschlag realisiert. Im Rahmen des Fahnen Appells wird die neue Kollegin begrüßt. Gleichzeitig werden mehrere Schüler in ihren Klassenverband aufgenommen.
Die fleißigsten Altstoffsamler werden durch Premieren ausgezeichnet. Auf diese Weise wird der Auftakt zu einer erfolgreichen Sammeltätigkeit gegeben.
Da umfasst unsere Hilfsschule vier Klassen:
3, 4/5 6 und 7
mit drei haupt – und zwei nebenamtlichen Lehrkräften.
Herr Lehrer Krauter wird noch ein weiteres Jahr vom Dienst freigestellt. Die Klassen 4 und 5 werden wegen der geringeren Schülerzahl kombiniert, in ihnen wird in Deutsch wegen Zeitmangel vorläufig Abteilungs- unterricht erteilt. Die Kinder der Klasse 3 müssen unbedingt allein unterwiesen werden. Die Intelligenzunterschiede
sind hier noch sehr krass. Die Kinder sind bloß kurze Zeit für den Unterrichtsstoff aufnahmebereit, gehören zu 60 % in eine Vorschulklasse und können nur individuell behandelt werden. Die 8. Klasse fehlt. Daher fallen die polytechnischen Grundlehrgänge für die Schüler weg. Die beiden Kolleginnen sind ausgebildete Hilfsschullehrerinnen . Alle drei Lehrkräfte besitzen die Qualifikation für die Klassen 5 bis10. Sie sind stets bestrebt, dass Bildungs- und Erziehungsniveau der ihnen anvertrauten Kinder durch den Unterricht zu erhöhen. Kollege Arndt ist für die 7. Klasse verantwortlich. Kollegin Schikowski führt die 6. Klasse und Kollegin Fiebig hat die Klassen 3, 4 und 5 zu betreuen. Durch die günstigere personelle Besetzung der Schule kann die Stundentafel verbessert werden. Von der Stundenerhöhung werden die obere Klassen betroffen. Die höchste Stundenzahl – 26 Wochenstunden - wird der 6. Klasse zugeteilt und war aus folgendem Grunde: Die Kinder dieser Klasse haben durch die langen Vertretungen am meisten gelitten. Sie sind wenig beschult worden und müssen jetzt auf jede erdenkliche Weise gefördert werden. Nun werden auch Stunden für den naturwissenschaftlichen Unterricht und endlich auch für den Musikunterricht, der ganz im Argen lag eingeplant. Manche Hilfsschüler sind gesanglich gut begabt, und es muss möglich sein, ihre Fähigkeiten zu entfalten und auszubilden, denn sie haben in unserem heutigen
Staate auf Entwicklung all ihrer Anlagen genau so Anspruch wie die Oberschüler.
Kollegin Schikowski ist musikalisch talentiert, beherrscht verschiedene Musikinstrumente und übernimmt den Gesamtgesangsunterricht. Die gesamte pädagogisch – methodische Arbeit im Unterricht wird jetzt stark verbessert.
Bis auf einen Jungen entstammen alle Kinder unserer Schule Arbeiterkreisen. Schüler mit schwachen Lernleistung werden nach dem Pflichtstunden oft noch in Gruppen zusammengefasst und von den Lehrkräften besonders gefördert. Die zahlreichen Anschauungsmittel werden sinnvoll in das Unterrichtsgeschehen eingebaut. Unsere dauernden mündlichen und schriftlichen Bemühungen um Zuteilung eines Filmvorführergerätes sind endlich von Erfolg gekrönt und wir erhalten einen war schon stark gebrauchten, doch noch gut einsetzbar Apparat. So können den Kindern häufig Filme vorgeführt werden. Auch Lichtbildreinen werden in verstärkten Maße gezeigt. Unser Einsatzsoll an visuellen Unterrichtsmittelen wird sogar übererfüllt. Nun kann endlich an unserer Schule nach modernen Gesichtspunkten gearbeitet werden. Auch unsere Kinder werden zu intensiven lernen angehalten. Die schriftlichen Hausaufgaben werden am Anfang der Stunde oder, wenn zwei Haushefte benutzt werden, daheim von den Lehrern nachgesehen. Die aufgegebenen Lesestücke werden von den Kindern vorgelesen
und über die im Fachunterricht behandelten Sachgebiete werden Fragen an die Schüler gestellt und zensiert. Diese Leistungskontrollen finden regelmäßig statt. Jetzt wird auch die sozialistische Arbeitserziehung verbessern. Ein Schulgarten wird zwar noch nicht angelegt. Doch wird bereits daran gedacht einige Beete von Kindern herrichten und bearbeiten zu lassen. Vorläufig werden die Kinder innerhalb der Pionierstunden zu Aufräumungsarbeiten im Schulgelände herangezogen. Die dabei gemachten Beobachtungen werden naturkundlich ausgewertet.
Wegen des Ausfalls der 8. Klasse besteht an unserer Schule kein polytechnischer Unterricht. Doch kommen dennoch unsere Kinder immer wieder mit produktiver Arbeit in Berührung. So schaffen sie in freiwilligen Arbeitseinsätzen unter Leitung der Kollegin Schikowski eine Sprunggrube, um im neuen Schuljahr mit dem Schulsport beginnen zu können. Ferner bringen sie unbrauchbare Heizkörper zur Schrottannahmestelle. Sie beteiligen sich an der Entrümpelung des Werkraumes und fahren Altpapier zur Sammelstelle. Außerschulisch helfen viele Schüler mit bei der Erfassung der Altstoffe. Die sammelten im vergangenen Schuljahr:
11.608 Flaschen
1856 Gläser
159 Gläser und Flaschen
17 kg Jute
499 kg Lumen
40 kg Knochen
1211 kg Papier
941 kg Gussbruch
296 kg Blech
10 kg Aluminium
172 kg Eisen
2 kg Zink und
52 kg zerlege Schrott.
Für äußere Ordnung wird im laufenden Schuljahr in verstärktem Maß gesorgt. Die Lehrmittel werden von den Lehrkräften geordnet und listenmäßig erfasst. Der Werkraum wird in gemeinsamer Arbeit für die Unterrichtszwecke eingerichtet.
Der patriotischen Erziehung wird intensive Aufmerksamkeit geschenkt. Wie im vergangenen Jahr leitet Kollege Schweitzer zwei Arbeitsgemeinschaften für Turnen. Jetzt wird die Arbeitsgemeinschaft für Schwimmen unter Leiung des Schwimmlehrers Fischer ebenfalls wieder eingerichtet. In diesem Jahr wird auch den jüngeren Jahrgängen Gelegenheit geboten auf freiwilliger Basis das Schwimmen zu erlernen. Äußerst rege ist die Kollegin Schikowski. Vorbildlich ist ihre Bildungs- und Erziehungsarbeit.
Die Lehrerin stammt aus Chursdorf, Kreis Schleiz, besuchte eine Aufbauschule, bestand in Leipzig das Abitur mit Hauswirtschaftsprüfung, war danach in Westpreußen als Lehrerin tätig und leitete nach 45 in Braunsdorf in Thüringen eine etwa 90 Kinder starke ein klassische Schule. 1961 wurde sie nach Neustadt berufen. Sie führte an der hiesigen Goetheschule mehrere 8. Klassen zur Abschlussprüfung, qualifizierte sich im Fernstudium für die Klassen 5 bis 10 und ließ sich an der Universität in Halle als Sonderschullehrerin ausbilden, nachdem sie vorher zwei Jahre lang an der Neustädter Hilfsschule mit Erfolg gearbeitet hatte. Nach dem Staatsexamen war sie zwei Jahre an der Sonderschule für Sprachgestörte in Keilau bei Rudolstadt und anschließend zwei Jahre an der Internatshilfsschule in Bad Blankenburg tätig. Ihre in diesen Einrichtung gesammelt dann reichen Erfahrungen kommen unsere Schule zugute. So erteilt die die Kollegin im Schuljahr 1961/62 außerhalb ihrer Pflichtstunden einige sprachtherapeutische Stunden um den sprachgehemmt Kindern zu helfen. Sie stellte eine Instrumentalgruppe für Blockflöten auf, gründete eine Folklore und eine Layenspielgruppe und gestalte mit diesen beiden Arbeitsgemeinschaften die Schulweihnachtsfeier 1961. Sie richtete auch ein Schießzirkel ein . 40 % der Hilfsschüler der oberen Klassen kommen einmal wöchentlich zum
Üben zusammen. Anfangs leitete ein Angehöriger der Volkspolizei die Gruppe, später die Kollegin Schikowski in ihrer Funktion als Pionierleiterin. Die Schüler müssen sich hier anstrengen Ordnung und scharfe Konzentration gewöhnen. In Betriebssportgemeinschaften werden vier Schüler erfasst. Alle drei Lehrkräfte – zwei befinden sich im Rentenalter – nehmen an der politisch – ideologischen Weiterbildung in Schulleiter- tagungen, Partei – und Gewerkschaftsversammlungen teil und finden sich nach Bedarf zur Beratung von längerer oder kürzerer Dauer zusammen. Die jüngste Kraft stellt mit Oberschul- und Hilfschulehrern im lebhaften pädagogischen Erfahrungsaustausch und bildet sich im Selbststudium ständig weiter. Die Zusammenarbeit mit den Elternbeitten ist in Ordnung. Der Elternratsvorsitzende schaltet sich im Januar 62 sofort ein, als durch raschen Frosteinfall die Heizkörper zerstört werden, und kümmert sich um den Fortgang des Unterrichtes, der ungekürzt in der Lessingschule erteilt wird. Frau Zettl hilft als Elternbeiratsmitglied gern bei schulischen Aufgaben und erklärt sich obgleich sie ganztags arbeitet, gleich dazu bereit, bei der Ferienaktion, die unsere Schüler durch Wanderungen und Fahrten mit der Umgebung von Neustadt bekannt- machen soll, an vier Tagen zu helfen. Oft werden die Eltern der Kinder von den Klassenlehrern in der Wohnung aufgesucht. Kollege Arndt führt im verlaufenden Schuljahr 13,
Kollegin Fiebig 22 und Kollegin Schikowski 25 Hausbesuche durch. Elternversammlungen finden im September und November 1961 sowie im Februar19 62 statt. Am 15. September 1961 wird über Klassenverteilung und Stundentafel, über die Bedeutung der Wahl und dss zukünftige Pionierleben in unserer Schule gesprochen. Am 17. November 1961 steht auf dem Abendprogramm:
1. Anpassung der letzten Schuljahresabgänger an die Verhältnisse ihres Betriebes
2. Lichtbildervortrag der Lehrerin Schikowski über eine Reise nach Moskau und
3. Schädlichkeit des Fernsehens für Kinder.
Am 5. Februar 1962 wird die fällige Elternbeiratswahl vollzogen. Sie ist mit einer kleinen Ausstellung von Bastelarbeiten verbunden. Nach jeder Versammlung haben die Lehrer ebenso wie in den letzten Jahren Gelegenheit, über ihre Kinder ausführlich mit den Lehrkräften zu sprechen. Leider kann die Schulen nur kurze Zeit erzieherisch auf die Schüler einwirken. Nach Unterrichtsschluss kehren sie alle wieder in ihrer häusliches Milieu zurück, indem sie wenig beaufsichtigt oder sich selbst überlassen sind. Zur Verbesserung ihrer Erziehung wird ein Hilfsschulhort mit eigener Hortnerin angesehen. Die Notwendigkeit dieser Einrichtung wird endlich und von der hiesigen Abteilung Volksbildung mit der sporadisch eines gehend über viele, die Hilfsschule betreffenden Probleme und ihre eventuelle Lösung gesprochen wurde, erkannt. Doch kann in der Stadt kein geeigneter Raum der sich zweckmäßig umbauen lässt, zur Verfügung gestellt werden. So scheitert
die Gründung eines Hortes zunächst an der Raumbeschaffung. Gelegentlich einer Aussprache mit Sonderschullehrerin in der Abteilung Volksbildung Pösneck wird das Problem wieder auf gegriffen und man ist nicht abgeneigt, einen Halbtagshort für unsere Kinder zu errichten. Leider fehlt die erforderliche Hortkräfte. Doch besteht die feste Hoffnung dass in absehbarer Zeit endlich der so unbedingt notwendige Hilfsschulhort geschaffen werden kann, da unsere Hortkinder in verschiedenen Horten untergebracht, den Kontakt miteinander verlieren und innerhalb der Normalschulgruppen niemals der Veranlagung entsprechend unterbringend gefördert werden können. Am 28. Juni 1962 wird in dem Schulgelände ein Sommerfest veranstaltet. Das beigefügte Programm wird, da das Wetter schön ist, durchgeführt. Am 7. Juli 1962 werden drei Kinder aus unserer Schule entlassen ein Knabe wird in der Tuchfabrik von Könitzer als Jugendlicher Hilfsarbeiter anfangen. Ein Schüler wird in demm Porzellanwerk Triptis in das Berufsleben eintreten, und die einzige Abgängerinn hat mit der der Kaderabteilung von Bergold in Pößneck einen Vertrag als jugendliche Hilfsarbeiterin abgeschlossen. Am Ende des Schuljahres verlässt auch Kollege Arndt die Hilfsschule. Für seine Stete Einsatzbereitschaft und und aufopferungsvolle Tätigkeit von November 1960 bis August 1962 gebührt ihm besondere Anerkennung.
Am 1. September 1962
Beginnt das Schuljahr1962/63. Das Geschehen in diesem Zeitraum wird im großen Zügen dargestellt. Tätig sind drei haupt- und zwei nebenamtliche Lehrkräfte. Schulleiterin Fiebig übernimmt die 3. , Herr Krauter die 4. , und Fräulein Schikowski die 7. Klasse, die mit der 8. kombiniert wird. Frau Leutert erteilt 4 Stunden Nadel- arbeit und Kollegen Schweizer 6 Stunden Sport innerhalb seines Stundensollst. Herr Fischer gibt wöchentlich 2 Stunden Schwimmen. Leider muss dieser aus technischen Gründen zunächst fortfallen. Kollege Krauter geht, ob gleich er gesundheitlich noch nicht auf der Höhe ist, mit dem alten Elan ans Werk. Er arbeitet zielstrebig, nützt jede Minute maximal für die Schulstunden aus und versucht durch den Unterricht, besonders jedoch durch sein Vorbild unserer Schüler zu allen sozialistischen Tugenden zu erziehen. Die Errichtun einer dritten Planstelle führt zu einer weiteren Verbesserung der allseitigen Entwicklung der Schüler und auch zur Förderung der Erziehung im kollektiven Handeln. Im Musikunterricht werden die Kinder so gefördert, dass sie bei Veranstaltungen mit einem ansprechenden Kulturprogramm aufwarten können. Positiv beeinflusst werden sie auch durch den Werkunterricht, der zwar gekürrzt, jedoch wieder planmäßig erteilt wird. Stets wird in den Stunden von den Erfahrungen der Schüler und vom Zeitgeschehen ausgegangen, und die Unterrichtskenntnisse werden
zum Leben der Kinder und zu den Tagesereignissen in Beziehung gesetzt. Im Oktober 1962 findet ein gut besuchter Elternabend statt. Kollegin Leukert zeigt eine Zusammenstellung der von den Kindern in Nadelarbeitsunterricht hergestellten Gebrauchsgegenstände, die durch ihre saubere geschmackvolle Ausführung allgemeine Bewunderung erregen. Kollege Krauter erfreut die Eltern durch einen fesselnde Farblichtbilder Vortrag über die Sächsische Schweiz. Am 13. Dezember versammeln sich alle Pioniere der Schule mit ihren Lehrern, um den Pioniergeburtstagstag zu begehen. Lieder, Rätsel, Kurzgeschichten und Wissensfragen aus vielen Gebieten sorgen für Abwechslung. Jedes Kind erhält einen kleinen Preis. Am 14. Januar 1963 wird die Elternbeiratswahl von der Schulleiterin durchgeführt. Sie wird durch eine Nachwahl ergänzt. Am eigentlichen Wahltag spricht Herr Hürrig im Auftrag des Volksbildungsamtes zu den Eltern und Herr Dr. Hampel als Schularzt über hygienische Maßnahmen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Fräulein Schikowski beschließt den Abend durch einen interessanten Farbbildvortrag über ihre Reise nach Rumänien. Wegen Brennstoffeinsparung muss jetzt der Unterricht während mehrere Wochen nachmittags in der Berufsschule und später im Kulturraum des Möbelwerkes Neustadt durchgeführt werden. Nennenswerte Kürzungen ergeben sich nicht. Die jüngste Lehrkraft, die am 1. September 1963 die Schulleitung übernehmen wird, und Herr Krauter sprechen im Rahmen
des Pädagogischen Kreiskabinettes in Neustadt beziehungsweise Triptis vor Unterstufenlehrern über Hilfsschultypen und die bei der Meldung zu beachteten Gesichtspunkte. Im Frühjahr zeigen die Kinder unter Leitung ihres Turnlehrers im Schulgebäude nette sportliche Vorführungen. Die Eltern wenden spenden reichlich Beifall. Am 1. Juni wird mit den Klassen 6 und 7 ein Sportfest veranstaltet. Die Kinder der Klasse 3 vergnügen sich mit Wettspielen. Zum Abschluss des Kindertages wird ein Kulturprogramm geboten. Mitte Mai und Ende Juni werden etwa 15 Kinder, die durch die Normalschulen für die Aufnahme in die Hilfsschule gemeldet wurden, vom Herrn Dr. Schwarzer – nervenfachärztlich gründlich untersucht. Der Arzt versteht es ausgezeichnet, die Eltern in feiner Weise von der erforderlichen Umschulung ihrer Kinder zu überzeugen. Die Notwendigkeit der Errichtung eines eigenen Schulhortes wird jetzt von allen amtlichen Stellen eingesehen und Kollegin Schikowski mit der Verwirklichung dieses Planes beauftragt. Die Elternbeiräte werden in einer Besprechung mit Vorarbeiten für diesen Hilfsschulort vertraut. In diesem Jahr werden nun Kinder aus unserer Schule entlassen. Ein Mädchen und vier Knaben werden als Anlernlinge anfangen. Vier Schüler haben mit der Kaderbteilung von Betrieben Verträge als jugendliche Hilfsarbeiter abgeschlossen. In den Sommerferien wollen vier Kinder das örtliche Ferienlager besuchen. Neun wollen von Betrieben verschickt werden, und 15
wollen mit der Pionierleiterin Fräulein Schikowski eine Woche lang wandern und sich das Sportabzeichen für Touristik erwerben. Ansteckende Krankheiten führen in den verschlossenen Jahren in unserer Schule zu keinen Unterrichtsausfällen. Am 31. August 1963 scheidet die bisherige Schulleiterin nach 18-jähriger ununterbrochener Lehrtätigkeit an der hiesigen Hilfsschule mit 62 Jahren aus dem Berufsleben aus, um in den Ruhestand zu treten. 18 Jahre lang hat sie die Chronik geführt und Freud und Leid mit der Hilfsschule und ihren Schülern geteilt. Nun legt sie das verantwortungsvolle Amt der Schulschulleitung auf jüngere Schultern und wünscht ihrer Nachfolgerin die besten Erfolge in ihrer Unterrichts und Erziehungsarbeit.
Die Lehrer waren 1975 :
Herr Taubert
Herr Linke
Uli und Ute Sembritzki
Frau Göhr (Käpnik)
Frau Schöttel
Frau Gumz
Frau Höhner
Herr Heise
Fräulein Schikowski
Frau Meyer, später Müller
Herr Schuhknecht
Frau Meinel
Frau Paul
im Hort waren:
Frau Willems
Frau Gumpert
Frau Fach
Herr Heise
Reinigungskräfte:
Frau Mutschmann
Frau Beyküfner
Die Namensverleihung des Förder-Zentrums zu „Friedrich Fröbel“ erfolgte am 16.11. 1982