Bild Kupferstich Neustadt Orla

221 Wetter und andere Ereignisse

Zusammenstellung von Bernd-Uwe Heise

Diakonus Herrmann hat geschichtliche Ereignissse, die er über Neustadt an der Orla gefunden hat in Broschüren , 5 bändig, als Chronik veröffentlicht.

Umschlag der Hefte

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Ich habe wenige besondere Ereignisse herausgesucht und möchte diese für jeden sichtbar machen. Unter jedem Chronik Ausschnitt finden Sie den Artikel in besser lesbarer Schrift.

 

Wetter und Wölfe

3. Teil. 1740 bis 1817.

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Anno 1740

Von dem jetzigen Winter, welcher voriges Jahr 1739 d. 20. November anging, erfährt man mehr als zuviel klägliche Würdigung aus dem wöchentl. Einlauf der Zeitungen, in welchen der Leser ein mehres davon ersehen wird: dass an unterschiedlichen Orten die Wölfe sehr viel Menschen angefallen, und jämmerlich von den Tieren seiend zerrissen worden.

 

Dürre

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Anmerkung zum 1790. Jahr

Der Monat Mai fing schon mit starker Hitze und Dürrung an, und hat hernach die Hitze und Dürrung den ganzen Sommer und des gleichen Herbst angehalten, dass wenig Feuchtigkeit in dem Erdreich zu spüren war. Daher blieben die Sommerfrüchte und Gartengewächse sehr zurück, aber die Winterfrucht als das Korn und der Weizen, an dem war kein Mangel; denn die Leute bauten an Schocken viel mehr , als in etlichen Jahren zuvor nicht geschehen war, Gott sei Dank dafür. Aber dennoch, weil die Sommerfrucht nicht wohl geraten war, so blieb es immer bei der vorigen Teuerung. Das Mahlwasser war auch sehr sparsam; ob es gleich, da es in etlichen Wochen nicht geregnet hatte, sich zum Regen anließ, so dauerte es nicht lange damit, so verzog sich das Regenwetter und machte wenig Feuchtigkeit in das Erdreich, daher die Bäche und Teiche wenig Zugang zu Regen hatten. Die Mühlen hatten gute Ruh und brauchten nicht viel klappern; so eine etwa ein Viertel oder einen halben Scheffel abgemahlen hatte, so wurde eine andere angelassen; war noch etwas Wasser, so ging die Mühle fort, blieb aber das Wasser zurück, dass es keine Mühle mehr umtrieb, so standen die Mühlen still, so viele derer in einer Mühle waren, ruhten von Mitternacht bis den folgenden Morgen, ja auch bis um den Mittag aus, bis sich wiederum das Wasser in etwas gesammelt hatte. Der Winter machte seinen Anfang ebenso als wie der Sommer und Herbst und blieb bei der Witterung trocken, ohne Schnee oder Regenwetter, daher war das Mahlwasser noch immer bedürftig. Die Ausfuhr des Getreides war bei Konsiskation des Getreides und bei hoher Strafe gänzlich verboten.

 

Dürre

 

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Das 1800. Jahr war ein sehr bedenkliches und zum Schluss des Säculi fast fürchterliches Jahr; es war der Vorsommer immer von dehr vieler Dürre und kühler Luft begleitet, dass die Sommerfrüchte sehr nach Regen lechzten. Allein es blieb der Regen aus vom 2. April bis zum 28. August, also an 20 Wochen, Dadurch ist das Mahlwasser so wenig geworden, dass in den an kleinen Flüssen stehenden Mühlen 6, 8, bis 12 Wochen kein Rad umgegangen ist, und es hat auch die große Hitze viel Unglück und Schaden angerichtet. . . . Allhier in Neustadt an der Orla wurde auf E.E. Ratsbefehl allen Bürgern bei einem neuen Schock Strafe verboten, weder an Plumpfen noch an Wasserbottichen mit der Wasserkanne einzuschöpfen und in Bütten wegzutragen, auch die Bierwannen nicht an Bottichen einzuquellen, sondern es wurde befohlen, die Wannen hinaus an die Orla zu tragen und einzuquellen. Die Bäcker waren nicht imstande, satt Brot vor die Neustätter Bürgerschaft zu backen, dieweil das Mahlwasser so sehr ins Abnehmen kam, dass in den beiden Stadtmühlen kaum in 24 Stunden 3 Scheffel konnten verfertigt werden, und war nicht viel besser als geschroten. Von Plauen seien die Bäcker bis an den Mainfluss mit Getreide gefahren, dass sie nur Mehl haben können aufbringen. Von Schleiz und Mühltroff haben die Bäcker in den Saalmühlen bis Jena gemahlen, sodass manchen Bäcker eine solche Fuhre auf 12 bis 15 Rh. gekommen ohne die Trinkgelder, welche so angewachsen dass die Knappen vor das Aufschütten 1, auch 2 Laubthaler verlangten; der Knecht wollte auch haben; der Müller machte sein Schuri-Muri auch; da konnte man berechnen, wie hoch das Pfund Brot kam, zu 1 Groschen. 8

1 Scheffel entsprach in unserer Gegend wahrscheinlich ca. 6 Wassereimer voll Getreide.

 

 

Späte Ernte

Juli 1816

Ende Juli stieg der Dresdner Scheffel Weizen auf 10 Rthlr. und die Nässe hielt noch immer an, und dadurch verspätete sich die Ernte, sodass zu Barthalomä ( 24. August) noch kein rechter Anfang der Ernte war; die ältesten Menschen konnten sich nicht erinnern, dass die Ernte so spät war. und als sie endlich angefangen hatte, hat sich doch bis in den Monat September die Teuerung nicht vermindert, sondern stieg immer höher, sodass der Scheffel auf 10 Rthlr. 12 Gr. und darüber stieg. Bei diesen nahrlosen Zeiten ist das vor die Armut ein harter Druck, dieweil alle Nahrung darniederlieget und ist noch keine Hoffnung auf wohlfeile Zeit. Den Monat Okt. ist das Getreide noch immer im Steigen, und wird auch nicht viel zu Markte gebracht, besonders an Korn fehlt es, sodass der Scheffel Samenkorn den 17.Okt. mit 11 Rthlr. ist bezahlt worden, den 26. Okt. ist allhier zu Neustadt erst das Dank- und Erntefest gefeiert worden.

 

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1817

Die Teuerung steiget noch höher, sodass der Scheffel Weizen den Monat Januar 14 Rthlr., das Korn 10, die Gerste 7 Rthlr. 16 Gr. gegolten. NB. Wegen der entsetzlichen Teuerung, Hungersnot und schlechten Nahrung ist für die drückende Armut Geld eingesammelt worden, um davor Getreide einzukaufen und Brot daraus zu backen, dass der Arme und Notleidende das Brot wohlfeiler als beim Bäcker erhalten soll; so habe dieserwegen das Blatt, welches ein jeder Bürger erhalten, mit anbeigelegt. Wegen der großen Teuerung und Hungersnot sowohl in unserem Land als auch in ganz Europa hat sich .....

 

Russische Getreidehilfe

 

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1817

....der Kaiser Alexander von Rußland entschlossen, sein in Rußland vorrätiges Getreide nach allen Provinzen abzulassen, damit die hungernde Not gestillet würde; so kam auf der Ostsee eine unsägliche Zahl Schiffe mit Getreide in Danzig, Hamburg und anderen Städten an und wurden um einen billigen Preis abgelassen.; Es seien nur nach Neustadt, Weida und Auma alle Monate von Januar an 5 -6000 Scheffel an Gerste, Korn und Erbsen angekommen, daraus wurde für die Armut Brot gebacken, das Pfund zu 10 Pfg., also daß das 7 pfund-Brot 6 Gr. kostete. Jedennoch konnte der Mittelmann und Arme sich nichts dabei zugute tun: es galt 1 Pfund Butter ? Gr., 1 Pfund Rindfleisch 3 Gr., Schweinefleisch 3 Gr., und war bei Allem, was man nur anfing, kein Verdienst bei schwerem Kurs; der Dukaten galt 3 Rthlr. 8 Gr. in Münze.

 

Diese Wetterereignisse gab es auch um Eisenberg

Beim Lesen der Eisenberger Chronik fand ich, dass um das 12. , 14. und 17. Jahrhundert derartige Unwetter mit langen Dürren und extrem lang anhaltendem Regen aufgeschrieben sind

 

Komet

 

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1811

Sodem Anno den Monat September hat sich ein Komet gezeiget, der hatte seinen Anfang von Nord - Ost, und hatte seinen Lauf zum Untergang zwischen Nordwesten; dieser Comet gehet weder auf noch unter, er ist sowohl bei Tage als des Nachts am Himmel zu sehen, hat sich auch schon Ende des 10 Jahrhunderts sehen lassen; auch ist er wiederum gesehen worden anno 1456 - 1531 - 1662 - 1759, und bis daher hat er seine Zeit nicht richtig eingehalten, und soll nach astrologischer Berechnung in 16 Jahren seinen Lauf um die Sonne haben, und soll anno 1838 wieder zum Vorschein kommen. Er hat einen recht majestätischen Glanz und einen sehr langen Haarschweif; den 16. Okt.. dieses Jahres stehet er ganz nahe der Sonne und soll 22 Millionen Meilen von der Erde entfernt sein.

 

Noch eine große Feuerspritze

 

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Anno 1784 hat ein E. E. Rat für gut befunden, noch eine große Feuerspritze, obschon die Stadt mit 2 großen Feuerspritzen versehen war, anzuschaffen; und wurde von E. E. Rat die Löbl. Bürgerschaft gebeten, einen freiwilligen Betrag dazu zu geben, dieweil diese Feuerspritze über 300 zu stehen kommen sollte. So gab mancher Bürger proportion 4, 6, 8 oder 12 Gr. und noch ein Mehrers nach seinem Belieben ( weil selbige Kollekte von Haus zu Haus zu gehen durch einen Viertelsmeister eingesammelt wurde) darzu, auf daß selbiges Verfahren gut von statten gehen sollte. Der liebe Gott behüte und bewahre die Stadt vor Feuersgefahr u. wende ab, dass die Stadt diese Feuerspritze zur Feuersgefahr niemals brauchen möge.

 

 

Aus Heft 4:

 

Neue öffentliche Bauten

 

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Von den Kommungebäuden, welche in dieser Zeit neu gebaut wurden, verdienen genannt zu werden: das Brauhaus (1820 gebaut, im Juli 1821 zum ersten Male darin gebraut), die Mädchenschule (1821), das neue Schullehrerwohngebäude (1824 - 26 ), die Torwache am Triptiser Tor (1822 ). Erweitert wurde die Knabensschule 1820.

 

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Zu den neugebauten öffentlichen Gebäuden sind noch hinzuzufügen: das neue Malzhaus, und ein neues Färbehaus, der Tuchmacherinnung gehörig. - Der hiesige gesellschaftliche Verein erkaufte sein jetziges ( 1822 ) durch den neugebauten Saal erweitertes und verschönertes Versammlungslokale im Jahre 1818. ....

..... Als merkwürdige Verbesserungen in der Umgegend der Stadt müssen noch die neugebauten Chausseen nach Oppurg und Triptis genannt werden (von 1821 bis jetzt )

 

 

Beliebte Gaststätte

 

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Ein besonders beliebter Ausflugsort für die Neustädter Honoratioren und Bürger scheint der Gasthof “ Zu den drei Rosen“ in Neunhofen gewesen zu sein; der Gastwirt heißt Christian Friedrich Stemmler und ladet häufig zu allerlei kleinen Festlichkeiten (Orlafischschmauss! ) oder auch nur zum Besuch ein. Später wird öfter ein Dienstagskränzchen bei ihm erwähnt.

 

Unsere erste „Berufsschule“

 

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Im Jahre 1817 war auf Veranlassung der Hauptfrauenverein für den Neustädter Kreis gegründet worden. Die hohe Dame hatte zweimal 50 Taler gespendet, dazu waren in Neustadt selbst etwa 137 Taler an Beiträgen aufgebracht worden „trotz des so tief gesunkenen Nahrungsstandes unserer sonst so blühenden Fabrikstadt“. Diese Summe wurde dazu benützt, um 12 armen Kindern Unterricht in weiblichen Handarbeiten zu geben; der Zweck war, diesen Kindern Fähigkeiten beizubringen, mit denen sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen könnten.

(Die Entstehung der Industrieschule! )

Den Unterricht erteilete Frau Amtsrentverwalterin Wolleska, sie bekam monatlich vier Taler.

 

 

Etwas über den Kreisboten

 

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Aus dem Neustädter Kreisboten.

Vorbemerkung. Vom Jahre 1817 an werden die Aufzeichnungen im Sammelband der Familie Ziegenspeck recht spärlich, so dass ihr Druck sich kaum verlohnt hätte. Nun sind aber seit dem Jahre 1818 die Jahrgänge des „Neustädter Kreisboten“ vorhanden, die für die Vergangenheit unsrer Stadt eine reiche Ausbeute gewähren. Es entstand deshalb der Plan, Jahrgänge des „Kreisboten“ durchzuarbeiten und in das aus ihnen sich ergebende reiche Material die wenigen Notizen der handschriftlichen Chronik einzufügen. Das Folgende hat deshalb erklärlicherweise einen ganz anderen Charakter als die vorhergehenden Abschnitte. Zuvor aber ein Wort über den „Neustädter Kreisboten“. Die erste Nummer ist datiert vom 10. Januar 1818. Sie enthält auf ihrer ersten Seite die Nachricht, dass eine Reihe von Jahren hindurch ( seit dem 21. Februar 1804: „Aus der Vergangenheit der Wagnerschen Buchdruckerei“ S. 6) eine Wochenschrift: Gemeinnützige Blätter für Freunde des Vaterlandes ) erschienen, aber im Jahr 1813 unter den Unruhen der Kriegsstürme wieder eingegangen sei.